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Wann haben Sie das letzte Mal Stille zugelassen?

Sich um sich selbst zu kümmern, bedeutet als Erstes zu lernen, wie man anhält und nach innen schaut. (Thich Nhat Hanh)

Ich weiß, die Frage ist provokant. Und es wird noch provokanter: Wann haben Sie sich einen Moment der Stille am Arbeitsplatz erlaubt? Ja, genau – richtig gelesen! Am Arbeitsplatz! Eine kurze Übung kann helfen, sich aus dem Strudel der Alltagshektik herauszuziehen und die Dinge mit Abstand zu betrachten. Dadurch kann sich die Wahrnehmung relativieren und Sie durchbrechen den Sog der allgegenwärtigen Beschleunigung. 2-3 Minuten sind ein guter Anfang und reichen vollkommen aus.

Drei einander ähnelnde, sehr wirksam Übungen stelle ich hier vor. Und bevor Sie nun entnervt mit dem Gedanken „esoterischer Mist“ weiter klicken, seien Sie spaßeshalber doch einmal so mutig und halten Sie für einen Moment an. Was haben Sie zu verlieren? Und was könnten Sie gewinnen? Sind Sie offen und neugierig, um sich auf ein Selbstexperiment einzulassen?

Die 3 Schritte des Innehaltens

  • Erster Schritt: wahrnehmen, was genau in dem Moment wahrnehmbar ist (Gedanken, Gefühle, körperliche Empfindungen)
  • Zweiter Schritt: die gesamte Aufmerksamkeit zum Atem lenken und einige Atemzüge beobachten
  • Dritter Schritt: die Aufmerksamkeit wieder weiter werden lassen, den Körper als Ganzen wahrnehmen, die Haltung, das Gesicht, den Raum

Anschließend bewusst in den Alltag zurück kehren.

Die 2-Minuten-Übung

  • Erster Schritt:
    • den Bewegungen des Geistes eine Minute lang zuschauen, alle Gedanken und Gefühle zulassen
    • jedem Thema einen Titel geben und wird wie ein Buch in ein Bücherregal stellen
    • dem Geist versichern, dass man sich später mit den Themen auseinander setzen wird
  • Zweiter Schritt:
    • für eine weitere Minute den Atemfluss beobachten, ohne Anstrengung, ohne Bemühen, ohne Beeinflussung
    • Mit jedem Ausatme ein Gefühl von Reinigung kultivieren, mit jedem Einatem ein Gefühl von Erfrischung.

Füße spüren:

  • für einige Momente in die Füße hinein spüren, ganz egal, ob man in dem Moment Schuhe trägt oder nicht
  • die Fußsohlen entweder in den Schuhen erspüren oder am Boden, jeden Zeh wahrnehmen (evtl. bewegen) den Ballen, die Ferse, den Fußspann
  • die Erdung im wahrsten und im übertragenen Sinne wahrnehmen, sich „down to earth“ spüren

Alle drei Übungen sind äußerst simpel und zugleich effektiv. Sie sind nahezu überall ausführbar und können helfen, aus den Automatismen des alltäglichen Verhaltens für einen Moment auszusteigen, um Stille und Geistruhe zu spüren. Glauben Sie es nicht? Ein allwissendes Belächeln gilt nicht, solange Sie es nicht für mindestens 4 Wochen mal ausprobiert haben! Genau das ist ein erstklassiges Selbstexperiment: Sich für einen begrenzten Zeitraum auf etwas Neues und Ungewohntes einlassen. Am Ende dürfen Sie ein Resümee ziehen. Wenn es nichts gebracht hat, haben Sie pro Tag nur 2-3 Minuten Zeit verloren. Diesen „Zeitverlust“ könnten Sie sich locker durch eine Zigarette weniger pro Tag oder weniger Fernsehen am Abend zurückholen. Aber wie genial ist doch die Aussicht auf die Möglichkeit, dass die eine oder andere Übung wohlmöglich etwas gebracht hat…

Derartige Übungen werden im westlichen Kulturkreis seit den 1970er Jahren auch wissenschaftlich betrachtet, erste Ergebnisse über die Wirksamkeit liegen vor. Der amerikanische Mindfulnes-Research-Guide stellt eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien zum Thema auf seiner Webseite zur Verfügung.