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Der Weg in die Burnout-Falle…

…und der Weg raus. Was ist Heimat? Haben Sie sich das schon einmal gefragt? Wenn man diese Frage vor dem Hintergrund der politischen Situation in weiten Teilen der Welt anschaut, so ist klar, dass Heimat für viele in erster Linie ein sozio-geografisches Thema ist. Heimat ist da, wo ich mich niedergelassen habe, um mein Leben aufzubauen, einer Arbeit nachzugehen,

Im Kontakt sein mit sich selbst.

eine Familie zu gründen, wo es für mich eine stabile Gemeinschaft gibt und wo ich mich mit den Strukturen und Traditionen identifizieren kann.

Doch Heimat ist noch mehr. Heimat ist auch ein inneres Gefühl, ganz und gar im wirklich eigenen Leben angekommen zu sein. Die Nähe zum Begriff der Identität ist sehr groß. Was macht mich aus, mein Wesen? Lebe ich das Leben, in dem ich mich zu 100% wohlfühle? Oder lebe ich gar ein Leben, von dem andere wollen, dass ich es lebe? Oder von dem ich denke, dass es so gelebt werden muss? Bin ich mit mir selbst in guter Resonanz, um mein Inneres, meinen Wesenskern zu spüren, sodass ich tatsächlich auch fühle, was mein Leben ausmachen sollte – für mich?

Wie die Farnpflanze im Wald

Diese Fragen sind sehr entscheidend, wenn es darum geht, aus einer Burnout-Falle zu entkommen bzw. gar nicht in sie hineinzutappen. Wer schon an einem meiner Resilienz-Workshops teilgenommen hat, der erinnert sich evtl. an die Fantasiereise, die das Bild des Farns in den Mittelpunkt rückt: der Farn, der im Wald wächst unter den Bäumen – und da, wo Sonnenlicht auf den Farn trifft, gedeiht er gut und die Triebe sprießen. Doch an den Stellen, an denen nur sehr wenig Licht die Farnpflanze erreicht, sind die Triebe braun und welkt oder sie verkümmern. Und so ähnlich geht es auch uns Menschen: Bekommen wir das, was wir brauchen, werden unsere Eigenschaften gefördert, so geht es uns gut und wir entwickeln uns. Doch wenn unsere Eigenschaften keine Förderung erfahren oder sogar unterdrückt werden, weil sie unerwünscht sind, verkümmern sie und werden verdrängt von Fähigkeiten, die uns quasi andressiert werden, die am Ende unseren Wesenskern überdecken und dazu beitragen, dass wir die Verbindung zu uns selbst zu unserer inneren Heimat verlieren.

Leistung, Wachstum, Gewinn

Ein Mensch, der nur wenig im Kontakt mit sich, seinen Bedürfnissen und seinen Grenzen ist, und sich nicht von innen heraus definieren kann, benötigt umso mehr eine Bestätigung im Außen. Eine Definition über dieses Äußere, gibt jenem Menschen die so notwendige Identität. Auf den ersten Hingucker mag das eine gute Lösung sein. Unsere Leistungsgesellschaft bietet sich hier auch ganz wunderbar an und lockt mit der Aussicht auf immer mehr Bestätigung. Machen, machen, machen – und das Feedback folgt wohlmöglich in Kombination mit einer entsprechenden Karriere. Nur die Krux an der Sache ist: Ist die Identität, die mir das Außen bietet, auch die Identität, die meinem Wesen entspricht? Und darüber hinaus besteht die Gefahr, dass das permanente Machen sich in der Grenzenlosigkeit verläuft. Denn unsere derzeitige Gesellschaft definiert sich über das permanente Wachstum: immer mehr Leistung, immer mehr Gewinn, immer mehr Ansehen. Hier lassen Sie uns einmal kurz in Richtung der Physik schauen. Ich weiß, blödes Thema – dieser Fachbereich ist eher unbeliebt. Ich selbst habe damals Physik abgegeben, sowie dies möglich war. Dennoch reicht mein Physik-Wissen – und Ihres mit Sicherheit auch -, um einem fatalen Hinterhalt auf die Schliche zu kommen.

Identität und Grenzenlosigkeit

Worauf ich hinaus will: Kraft ist nur durch Begrenzung möglich. Ohne Begrenzung verliert sich jegliche Kraft. Ist es nicht bemerkenswert, dass manch einer versucht dieses physikalische Gesetz durch sein Handeln auszuhebeln? Warum ist es so, dass Menschen meinen, ihre Kraft sei unendlich wirksam? Es ist einfach: Hier greift das zuvor beschriebene. Es ist die Sehnsucht nach Identität, die durch die Reaktion der Leistungsgesellschaft bedient wird. Meine fehlende Resonanz zu und mit mir selbst, meinen nicht vorhandenen Zugang zu meinem Innersten kompensiere ich durch die Bestätigung von außen. Und da das Nährende von innen fehlt, benötige ich permanente Nahrung von außen. Genau dies führt im schlimmsten Fall in die Burnout-Falle: Erschöpfung aufgrund der Grenzenlosigkeit.

Wie entkomme ich dieser Falle

…bzw. wie schaffe ich es, nicht erneut in dieselbe Falle zu tappen? Gerade letzteres – ein wiederholtes Plumpsen in eben jene Falle – ist nicht selten zu beobachten, wenn die grundlegende Ursache eines Burnouts nicht Beachtung findet. Wie komme ich der Ursache auf die Schliche? Es ist simpel und zugleich in hohem Maße komplex. Absolute Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist ein unumgänglicher Pfeiler auf dem Weg zur Gesundung. Und dann gilt es, in die einzelnen Lebensbereiche zu schauen – in den Beruf, die Partnerschaft, die Familie, die Hobbies usw., um sich jeweils sehr ehrlich einige Frage zu beantworten. Und sollten sich innere Bedenkenträger melden, so dürfen diese einfach mal für den Moment in die Kaffeepause gehen. Dieser gesamte Prozess ist nicht innerhalb von 5 Minuten abgeschlossen und bedarf einer gehörigen Portion Mut, denn vielleicht erkenne ich, dass ich mich gerade sehr weit von meiner inneren Heimat entfernt befinde. Und manchmal wird auch das Gewohnheitsmäßige, das Altbekannte mit jener Wesensheimat verwechselt – eben weil es so gewohnt ist. Fatal, fatal.

Der innere Dialog

Wie schaffe ich es also, den inneren Dialog zu kultivieren, um ganz bei mir anzukommen? Ein funktionierender Weg ist das stetig wiederholte, einfache „Da-Sein“. Und das hat überhaupt nichts mit Esoterik zu tun. Sich wenigsten einmal in der Woche Zeit zu schenken, um bei sich selbst einzukehren und in Beziehung zu sich selbst zu treten, hilft. 60 Minuten mögen erschlagend viel sein. Halten Sie es im ersten Schritt schlank. 30 Minuten sind ein guter Anfang, eine Erweiterung ist immer möglich. Schenken Sie sich einmal in der Woche 30 Minuten Zeit für diese Selbstfürsorge und in diesen Minuten machen Sie nichts, außer sich zu spüren und den folgenden Fragen nachzugehen:

  • Wo stehe ich in meinem Leben?
  • Will ich dort wirklich stehen?
  • Entspricht dies meinem innersten Wesen?
  • Oder lebe ich das Leben, von dem andere erwarten, dass ich es lebe?

Diesen Fragen nachzugehen bedeutet nicht, sie über das Denken zu analysieren. Die Lösung ist nicht auf der Ebene des Verstandes zu finden. Es geht darum, die Antworten zu spüren. Jeder kann das, manchmal dauert es nur ein bisschen länger, bis wir (wieder) in der Lage dazu sind. Vielleicht klappt es beim ersten Mal so ganz und gar nicht. Dann ist das so und Sie haben sich vielleicht für 30 Minuten nur ein wenig ausgeruht. Das ist ja auch nicht verkehrt. Wiederholen Sie es, lassen Sie sich ein. Immer wieder und wieder. Die Antworten werden kommen. Denn auch Sie sind am Ende einfach nur ein Mensch und der Mensch an sich ist in der Lage, sich zu spüren. Ja, auch genau SIE können das.