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Kennen Sie auch diese „Krieger“…

…denen quasi auf die Stirn geschrieben steht „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“? Heute müssen wir das Wort „Schmerz“ ersetzen durch „Stress“. Der zähe Mensch, der coole Cowboy der Gegenwart, hat keinen Stress. Ich höre das immer wieder, wenn ich mit Personalabteilungen darüber spreche, welche gesundheitsfördernden Maßnahmen für die Mitarbeiter sinnvoll sein könnten.

Da höre ich dann oft so etwas wie „Wir haben hier offiziell nur harte Jungs ohne Stress.“ Keiner will sich Erschöpfung eingestehen, und trotzdem sprechen die Krankmeldungen eine andere Sprache.

Ich möchte an dieser Stelle aufräumen mit zwei komplett falschen Ideen.

 

Normalerweise vermeide ich den Begriff „falsch“, denn so richtig falsch ist kaum etwas. Wir können schließlich immer nur Erfahrungen machen aus dem Moment heraus – und natürlich: Zuweilen führt halt eine Handlung zu einer weniger schönen Erfahrung. Fehlgriff halt. Doch wirklich falsch ist so etwas nicht. Hier in diesem Fall jedoch geht es wirklich um etwas Falsches. Woran denke ich? Es geht mir um zwei Überzeugungen, mit denen ich aufräumen will:

  1. „Ich habe keinen Stress.“
  2. „Wer Stress hat, ist ein Schwächling.“

Wenn ich Aussagen im Sinne von „Ich habe keinen Stress.“ höre, muss ich mich mittlerweile zusammenreißen, nicht zu lachen. Solche Äußerungen entbehren jedweder Realität. Alle Menschen zeigen Stressreaktionen, denn diese sind nichts anderes als menschliche und naütrliche Reaktionen auf eine Situation mit dem Ziel der Anpassung an eben jene Situation. Nicht mehr und nicht weniger. Sicherlich gibt es Situationen, an die wir uns sehr schnell anpassen können, sodass die Stressreaktion eher klein ausfällt.

Fakt ist aber auch, dass wir eben alle Stress erleben. Ohne Stress wäre es sogar verdammt langweilig in unserem Leben. Der Mensch braucht diese Art der Anregung. Vielleicht geht es aber gar nicht so sehr um diese kleinen Alltagsstresserlebnisse, die wiederum nur klitzekleine Stressreaktionen provozieren. Vielleicht steckt hinter der Aussage „Ich habe keinen Stress.“ der Hinweis darauf, dass derjenige oder diejenige

  • nie diese typische negative Beanspruchung verspürt,
  • sich nie überfordert fühlt,
  • immer Sinn in allem erkennt, was zu tun ist,
  • stets Wertschätzung und Rückhalt durch Kollegen und Vorgesetzte genießt und
  • permanent optimale Handlungsfreiräume für sich beanspruchen kann.

Da kann ich nur mit einem doch recht ungläubigen „Wirklich?!?!“ drauf reagieren. Denn interessanterweise häre ich Sätze wie „Ich habe keinen Stress.“ von Menschen an Arbeitsplätzen, die prädestiniert und bekannt sind für Erschöpfungsreaktionen und entsprechende Krankschreibungen.

Harte Jungs – oder doch Loser?

Man könnt fast auf die Idee kommen, dass diese „harten Jungs und Deerns“ lieber die Belastung verschweigen und hinter einer Fassade verstecken, um weiterhin als machtvoller Krieger oder knallharte Amazone zu erscheinen. Hier stecken wir schon mitten in der Thematik der zweiten Falsch-Überzeugung: „Wer Stress hat, ist ein Schwächling.“.

Doch: Wer permanent schluckt, spuckt später… Wer meint, dass nur Schwache, Loser, Unfähige etc. Stress erleben, der hat nicht verstanden, was Stress wirklich bedeutet. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Diejenigen, die Belastungen bewusst wahrnehmen, sind genau das Gegenteil von schwach. Diese Menschen verfügen über die brillante Fähigkeit, sich genau zu beobachten, Grenzen zu erkennen und mit passenden Werkzeugen oder Hilfe von außen gegenzusteuern bei Überlastung. Kraft entsteht nur aus der Begrenzung heraus, in der Grenzenlosigkeit verpufft jegliche Kraft.

Was tun?

Begriffe wie „Stress“ oder „Burnout“ sind mittlerweile sehr unbeliebt und ausgelutscht. Und egal wie viel oder wie wenig Stress wir erleben, wir sollten immer unsere innere Widerstandskraft, die Resilienz, trainieren. Das gilt auch für diejenigen, die von sich behaupten, dass keinen Stress haben. Denn mal hand auf´s Herz: Wer kann keine Kraft gebrauchen? Auch diejenigen, die sich ohnehin schon als stark erleben, finden in der Regel die Idee gut, wenn sie Tipps und Tricks erfahren, um noch stärker, kraftvoller und stabiler zu werden.

Und wie geht das dann mit der Stärkung der Resilienz?

Hierbei geht es durchaus handfest zu. Ganz egal, ob ich in Vorträgen, Workshops, in der Beratung, dem Coaching oder der Therapie tätig bin – die folgenden Themen sind relevant:

  • Impulskontrolle
  • Kausalanalyse
  • Emotionssteuerung
  • Lösungs- und Zielorientierung
  • Eigenverantwortung
  • Selbstwert
  • Werte
  • Netzwerk

Woraus ziehe ich Energie, was raubt mir Energie? Wie gut bin ich im messerscharfen Wahrnehmen? Wie sehr lebe ich das aus, was mir persönlich wichtig ist? Je mehr ich es schaffe, in diesen Bereichen Klarheit für mich zu gewinnen und weniger gute Verhaltensmuster zu entlarven (um diese durch neue und bessere zu ersetzen), desto mehr bin ich auch in meiner Kraft. Eine Übersicht zum Thema finden Sie hier. Und je stabiler ich aufgestellt bin in all den genannten Bereichen, umso mehr innere Widerstandskraft trage ich in mir, um mit den Herausforderungen des Alltag besser umgehen zu können.