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Werte – wie sie mich durch mein Leben leiten

Wer kennt das nicht: Da steht man vor einer Entscheidung und handelt. Ein Mensch überlegt erst ein bisschen, vielleicht auch ein bisschen länger, und ein anderer handelt vielleicht aus dem Bauch heraus. Und dann gibt es auch die Menschen, die die Entscheidung einfach aussitzen, sodass sich die Sache evtl. erledigt oder andere durch ihr Handeln uns selbst eine möglicherweise notwendige Tat abnehmen. Das alles geschieht nicht zufällig, sondern weil wir alle eine ganz bestimmte Persönlichkeit haben und unsere innere Wertwelt uns durch das Leben leitet. In vielen Fällen durchaus eher unbewusst als bewusst.

Je besser ich mich selbst kenne und je bewusster ich deshalb ins Handeln komme, umso einfacher wird es, das Leben auch so auszurichten, dass es richtig gut zu mir passt. Lasse ich mich lediglich von den äußeren Einflüssen steuern, so ist es dagegen ein Glückstreffer, wenn ich mich mit den Folgen meiner Handlungen durch und durch wohlfühle.

Warum ist es so, dass ich…

  • einen bestimmten Lebensstil pflege?
  • an einem bestimmten Beruf Spaß habe (oder eben nicht)?
  • auf eine bestimmte Art und Weise mit Menschen umgehe?

Und warum ist es so, dass ich hierbei Regelmäßigkeit erkennen kann? Das ist so, weil mein Verhalten nicht vom Himmel fällt – heute so, morgen so und übermorgen wieder ganz anders. Vielmehr passiert das Folgende: Im Laufe meiner Entwicklung gestaltet sich meine innere Wertewelt. Vieles übernehme ich als Kind und im jugendlichen Alter ungefiltert von den direkten Bezugspersonen. Ob ich es will oder nicht – dies sind meine Vorbilder. Sie leben mir Werte vor. In der Pubertät kommt es oft auch zur ersten Rebellion gegen bestimmte, vorgelebte Werte und der junge Mensch beginnt, auch eigene Werte zu entwickeln. Der ganze Prozess ist in der Regel immer noch unbewusst.

Ich packe meinen Werte-Rucksack

Schritt für Schritt füllt und formt sich meine innere Wertewelt: Kreativität, Authentizität, Gerechtigkeit, Sinnlichkeit, Genuss, Tradition, Fürsorge, Wertschätzung etc. Ich nenne hier in loser Reihenfolge nur einige wenige Werte, die sich herausbilden können.

Und so wandere ich mit meinem gefüllten Werte-Rucksack durch mein Leben. Wann immer ich eine Entscheidung treffe, mache ich dies idealerweise im Einklang mit meinen Werten. Doch je unbewusster ich mir meines Innenlebens bin, desto zufälliger lande ich passende Volltreffer bei Entscheidungen. Und je mehr ich mich von äußeren Gegebenheiten – insbesondere auch von den Vorstellungen anderer in meinem Umfeld – beeinflussen und steuern lasse, umso mehr rutsche ich in den Sumpf des Zufälligen.

Frust calls…

Auf die Dauer ist solch ein unbewusstes Vorgehen prädestiniert für eine persönliche emotionale Schräglage. Irgendwann kommt der Frust – und er kommt eben auch, wenn objektiv betrachtet alles super ist: Der Arbeitsplatz ist gesichert, das Gehalt ist gut, die Familie ist aufmerksam und lieb… und trotzdem fühlen wir uns unwohl bis unerfüllt. Wir spüren, dass etwas fehlt. Aber was ist das, was da fehlt? Woher kommt das Gefühl?

Das Gefühl entsteht, wenn ich immer mehr gegen meine Werte lebe, sie bei meinem Entscheidungen nicht oder nur in einem sehr geringen Umfang berücksichtige. Ich kann meine ganz persönliche Wertewelt nicht dauerhaft wegdrücken. Sie ist teil von mir, genauso wie meine angeborene Augenfarbe, die Art meines Ganges und meiner Stimme.