SENSUS+… Wie sinvoll ist dieses vereinfachte Modell?

Dies ist eine überarbeitete Version meines Beitrags aus dem Jahr 2015. Damals habe ich mich für das SENSUS+-Persönlichkeitsmodell zertifizieren lassen.

Das Positive an diesem Modell

Das Modell kann komplexe Persönlichkeitsthemen vereinfachen und damit erklären. Wir erlangen mehr Übersicht über uns, unsere Verhaltensweisen, unsere Persönlichkeit und ggfs. sogar über das Miteinander in Gruppen. Soweit, so gut!

In 2015 habe ich dich deshalb auch dieses gefragt:

  • Warum reagierst du in dieser oder jener Situation eine bestimmte Weise?
  • Wieso funktioniert die Kommunikation mit bestimmten Personen gut und mit anderen nicht?
  • Wie kann es sein, dass sich einige Dinge in deinem Leben nicht entwickeln, obwohl du es dir so sehr wünscht?
  • Mit welchen Eigenschaften und Fähigkeiten gehst du durch dein Leben?

Ich war damals überzeugt, dass man diese und mehr Fragen gut mittels des SENSUS+-Persönlichkeitsmodells betrachten  kann, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Das ist lange her. Heute sehe ich das Ganze differenzierter.

Der Unsinn an SENSUS+

Sensus+ beruht auf keinen wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern wurde aufgrund von Erfahrungen entwickelt. Menschliche Psyche kann jedoch nicht aufgrund der Erfahrung von einer begrenzten Personengruppe vollumfänglich abgebildet werden. Hier muss das SENSUS-Modell unweigerlich an seine Grenzen stoßen.

Ja, SENSUS ist interessant, wenn es darum geht, Vorgänge zu vereinfachen. Doch weder das Leben noch die menschliche Persönlichkeit sind einfach. Um diese Komplexität ansatzweise vollständig erfassen zu können, bedarf es heute eines anderen Modells. Das Big Five-Modell ist das einzige, wissenschaftlich anerkannte Persönlichkeitsmodell. Über 3000 Studien existieren dazu.

Ich will SENSUS nicht verteufeln und für einen Überblick über eine Persönlichkeit oder ein Team ist es gut zu gebrauchen. Doch wer Tiefe und Details sucht, der ist bei SENSUS falsch. Statt dessen sollte man sich dem Big Five-Modell zuwenden, zum Beispiel über den LPP (Linc Personality Profiler). Für den LPP habe ich mich in 2019 zertifizieren lassen. Er wurde von zwei Professoren der Leuphana Universität in Lüneburg entwickelt.