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Mit Blick auf die Veränderungen in der Arbeitswelt im Zuge der Digitalisierung wird es immer wichtiger, dass Führungskräfte eine veraltete Einstellung im Sinne von „Ich führe, ich bestimme!“ ablegen, eine Begegnung auf gleicher Augenhöhe zulassen und sich zu einem Moderator zwischen den sogenannten „Digital Immigrants“, sprich den vor 1980 Geborenen, und den „Digital Natives“, der Generation Internet, entwickeln. Dass zwischen den Generationen eine Kluft besteht, ist offensichtlich.

Wer mit modernen Computertechnologien aufwächst und einen spielerischen Umgang damit erlernt, hat unweigerlich einen anderen Zugang zur Technik als derjenige, der sich das Wissen erst spät(er) im Laufe des Lebens angeeignet hat.

Beschleunigung

Darüber hinaus geht mit der Digitalisierung auch eine Beschleunigung vieler Prozesse einher. Die früher von Führungskräften erwarteten Skills wie Stärke und Selbstsicherheit in Kombination mit Expertenwissen müssen deshalb abgelöst werden von einem permanenten Willen zur persönlichen Weiterentwicklung und der Erkenntnis, dass alles einem stetigen und schnellen Wandel unterliegt – menschlich, fachlich, wirtschaftlich.

Unabhängig davon ist und bleibt Führung das Miteinander von Menschen am Arbeitsplatz. Während die Aspekte im Außen dem Wandel der Digitalisierung unterworfen sind bzw. sich diesem kaum entziehen können, so ist die direkte Beziehung von Führungskraft und Mitarbeiter stets die Beziehung von zwei Menschen im Unternehmenskontext. Eine Herausforderung im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung besteht in der Aufgabe nie zu vergessen, dass der Mitarbeiter eben kein „Es“, kein Objekt, keine Maschine ist, sondern genauso sehr ein Mensch wie die Führungskraft.

Ich – Du – Wir

Es gilt, nie zu vergessen, dass zwei Individuen mit Stärken und Schwächen hier in Beziehung stehen: Ich als Führungskraft erkenne nicht nur mich selbst als Individuum, als „Ich“, sondern sehe genauso im Mitarbeiter einen Menschen, ein Du, mit Bedürfnissen, Gefühlen Zielen und Werten. Erst wenn das Ich und das Du gleichermaßen Raum und Entfaltungsmöglichkeiten finden, kann daraus ein gesundes „wir“ werden – nämlich die im wahrsten Sinne des Wortes „sinn-volle“ Mitarbeiter-Führungskraft-Beziehung.

Provozierend gefragt und für mich den Kern von Führung treffend: Wieviel Sinn für die Liebe zum Leben, zum Lebendigen, zum Menschen, zum Mitarbeiter bringe ich in meine Rolle als Führungskraft ein und wie sehr bin ich willens den Mut aufzubringen, mich und alle Menschen im dauerhaften Prozess des Wandels zu erkennen? Dies bedarf vor allem der Fähigkeit, sich selbst zu führen und authentisch zu bleiben – mit klarer Kommunikationsstärke und stetigem Vertrauen in andere bzw. expliziter Wertschätzung der Leistung anderer.

Verantwortung

Die Digitalisierung bringt neben der oben schon erwähnten Beschleunigung ein weiteres Phänomen mit sich, der den Aspekt der Liebe konkret werden lässt: Digitalisierung führt immer mehr zu einer Flexibilisierung von Arbeitsprozessen, die Grenzen von klassischer Arbeitszeit im Unternehmen und Freizeit verschwimmen. Es ist in vielen Fällen gar nicht mehr erforderlich, dass der Mitarbeiter im Betrieb seiner Aufgabe nachgeht. Zahllose Aufgaben tragen die Chance in sich, immer und überall bearbeitet zu werden. 24/7 ist Realität. Das birgt Chancen – und Gefahren zugleich. Mitarbeiter fallen wohlmöglich nicht mehr aus, weil sie daheim bleiben müssen, weil der Nachwuchs erkrankt ist. Dank moderner Technik ist es in zahlreichen Unternehmen bereits Standard, dass Mitarbeiter sich auch von daheim über sichere Datenleitungen in das Firmennetzwerk einwählen. Und genau hier greift auch der Gedanke der Fürsorge, der Empathie, ja der Menschenliebe: Die Führungskraft sollte sich der Grenzenlosigkeit der Technik bewusst sein, um den Mitarbeitern einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Flexibilität vorleben zu können. Gerade die Digital Immigrants verlieren sich schnell in den technischen Möglichkeiten. Hier ist es an der Führungskraft, sehr klar Medienkompetenz vorzuleben, sodass eben nicht die Falle der Reizüberflutung zuschnappt.

Führung 4.0 bedeutet damit insbesondere auch Menschlichkeit 4.0!