Wie innere Anteile – kritische & unkritische – unseren Alltag gestalten

Du kennst wahrscheinlich schon den Ausdruck „innere Kritiker“. Oder auch „Stress-Typen“. Oder allgemeiner gefasst: „innere Anteile“. Manchmal in meinen Therapie- oder auch Coachingstunden werde ich entsetzt angesehen, wenn ich mein Gegenüber frage: „Welche inneren Stimmen hören Sie in der Situation?“

Natürlich glaube ich dann nicht, dass mein Gegenüber unter Wahnvorstellungen leidet. Es geht nicht um Stimmen von außen, die aufgrund von Halluzinationen gehört werden.

Vielmehr geht es mir um die eigenen inneren Stimmen, die wir in uns hören, ohne dass wirklich etwas real hörbar ist. Und diese Stimmen hat jeder Mensch in sich. Auch du, ob du willst oder nicht 😉 Mit Sicherheit hast du schon mal solch einen inneren Dialog erlebt und sei es auch nur ein Moment des sich selbst Verurteilens gewesen (zu Beispiel: „War ja klar, dass das schief geht – dass ICH das nicht schaffe.“). 

Heute will ich dir die Idee zu diesen Persönlichkeitsanteilen näher bringen. Denn insbesondere die inneren Kritiker tragen maßgeblich auch zu unserem Stresserleben bei. Unsere Reise zu den Anteilen startet mit einem Blick in die Vergangenheit:

Innere Kritiker, innere Anteile – die unbekannte Wesen in Antike und seit der Renaissance

Ja, unsere Vorfahren, die haben den Menschen noch ganz anders gesehen als die moderne Psychologie heute. Damals galt ein kompaktes Ganzes als Selbst. Das Ich war das Zentrum, um das alles kreiste. Tatsächlich wurde diese Theorie durch die christliche Tradionen des Denkens tief in den Vorstellungen der Menschen verankert – bis heute. 

Die Wissenschaft zweifelt aktuell jedoch massiv dieses „Kompakt-Ich“ an. Provokant ausgedrückt: Wir sind kein Individuum. Jener Begriff ist vor Jahrhunderten geprägt worden und zielt auf das Kompakt-Ich ab. 

Also kein Individuum… Das irrtiert dich jetzt, oder? Lass uns mal gucken, woher der Begriff stammt. Das Wort stammt aus dem Lateinischen und ist zusammengesetzt aus zwei Teilen: „in“ (übersetzt: „nicht“) und „dividere“ (übersetzt: „teilen“). Wenn du „Individuum“ übersetzt aus dem Lateinischen, heißt das also soviel wie: Nicht-Teilbares. Da ist´s, das Kompakt-Ich. 

Aber dieses Aufgeteiltsein ist möglich mit Blick auf die Psyche und hier soll es nicht um multiple Persönlichkeiten gehen, sondern um die fitte und gesunde Psyche des Menschen. „Wir sind viele“, unser Innenleben ist teilbar in unterschiedlichste Anteile: Da sind diverse Rollen, Ich-Zustände, unter anderem auch jene inneren Kritiker.

Überleg doch mal, wie du dich am Arbeitsplatz gibst und wie im Privaten. Wahrscheinlich machst du Unterschiede aus. Denn je nach Situation kommen verschiedene Anteile deines Selbst in den Vordergrund.

Wir haben im Inneren quasi ein großes Orchester, vielleicht sogar begleitet von einem genauso großen Chor. Das ist mächtig was los in uns!

Und diese inneren Zustände sind nicht einfach aus dem Nichts entstanden oder zufällig vom Himmel gefallen. Nein, alle Anteile haben einen Zweck – immer zum Wohle des jeweiligen Menschen. Das gilt auch für die inneren Kritiker.

Innere Kritiker: Die Vorstellung vom Individuum früher

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Innere Kritiker: Die menschliche Persönlichkeit nach heutiger Vorstellung.

Der Sinn der inneren Kritiker und anderer Anteile

Alle Anteile haben ihre ganz eigene Bedeutung und sind in bestimmten Augenblicken unseres Daseins entstanden. Das geht bereits in der Kindheit los. All diese Anteile bieten uns unterschiedliche Lösungsstrategien für Situationen im Allgemeinen und Herausforderungen im Besonderen. Und rein theoretisch könntest du dir in der Rolle des Orchesterdirigenten aussuchen, welche Strategie du nutzen willst. Oder um im Bild des Orchesters zu bleiben: Du als Dirigentin bestimmst, welches Instrument das Solo an welcher Stelle spielen darf.

So bestimmt dann jeweils ein spezieller Anteil in einem gewissen Moment dein Handeln, während andere Anteile im Hintergrund schlummern und auf ihren Einsatz warten. Es liegt also eigentlich an dir, aus der inneren Vielfalt der Handlungsmöglichkeiten eine auszuwählen. Eigentlich…

Bevor wir genauer hier hinschauen, willst du dir ja vielleicht mal ein Blatt Papier und Stifte schnappen und dein inneres Orchester skizzieren!

Du bist viele:

 

Inner Kritiker: Wir tragen viele unterschiedliche Anteile in uns

Wo kommen die denn alle her? Über den Ursprung der inneren Kritiker und aller anderen Anteile

 

Ohne dass ich jetzt genau DICH vor Augen habe, kann ich dennoch sagen, dass all deine inneren Anteile – egal ob kritisch oder nicht – abgespeicherte alte Erfahrungen sind. Die liegen quasi wie auf einer Festplatte in deinem Inneren. Und egal in welcher Situation du gerade bist: Dein Verstand checkt jedes aktuelle Erleben mit den alten abgespeicherten Ereignissen gegen.

Und dann wird vergleichen! Sollte dein Verstand auf der Festplatte ein Ereignis finden, das der aktuellen Situation ähnlich ist und damals negativ für dich ausgegangen ist, dann sendet dein Verstand Alarm und du wirst in der aktuellen Situation vorsichtig. Nur wenn dein Verstand auf deiner inneren Festplatte ein positives Erleben gefunden hat und „grünes Licht“ signalistiert, gehst du zuversichtlich an die aktuelle Situation heran.

Du siehst: Es ist wahnsinnig schwer, komplett unvoreingenommen in eine Situation zu gehen. Das klappt nur, wenn du trainierst, dem alten Erleben nicht allzu viel Raum in der Gegenwart zu geben.

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Wenn zwei Anteile sich zoffen,…

… dann kann es sein, dass das richtig viel Kraft kostet. Konflikte zwischen verschiedenen Ich-Anteilen, zwischen inneren Kritikern und anderen Anteilen, sind nicht ungewöhnlich. Jeder Anteil trägt spezifische Bedürfnisse in sich und genauso Strategien, um Probleme zu lösen. Es braucht in diesen Fällen Zeit, Achtsamkeit mit sich selbst und ebenso Geduld (auch mit sich selbst!), bis die Konflikte im Inneren gelöst sind.

Wichtig für dich ist zu verstehen, dass der Prozess nicht ignoriert oder gar unterdrückt werden sollte. Und fast noch wichtiger ist es zu verstehen, dass jeder Anteil seine Daseinsberechtigung hat. Ja, auch die kritischen Anteile.

Und der heißeste Tipp überhaupt lautet: Bitte versteh auch die kritischen Anteile als Schutzfunktionen. Ja, so ein Stress-Typ kann echt anstrengend sein. Machen wir uns nichts vor. Es kann sogar sein, dass ein kritischer Anteil sich wie ein tyrannischer Sonnenkönig aufführt. Zugleich hat sich der aber nicht aus reiner Langeweile entwickelt, sondern mit klarem Ziel: Dich zu schützen, damit etwas Bestimmtes nie wieder so geschieht.

Dazu ein Beispiel aus meiner Praxis (der Name ist natürlich geändert):

Frau Müller spürt immer dann einen laut ratternden inneren Motor, wenn sie sich übermäßig verausgabt. Und nein, Frau Müller hat keine Halluzinationen. Natürlich rattert kein Motor in ihr. Es war das für sie am besten passende Bild zum Gefühl bei jeder Überforderung. Und dieser Motor hat auch einen inneren Dialog provoziert. Er schrie förmlich: „Du musst Leistung bringen, du musst es gut machen.“ Denn schon als Kind erlebte sie nur dann Akzeptanz im Elternhaus, wenn sie gute Leistungen erbrachte, auf ihren kleinen Bruder aufpasste, gute Noten heimbrachte und sonst „den Eltern nicht weiter Arbeit machte“. 

Dieses Bild waren Ausdruck eines inneren kritischen Anteils. Die Betroffene ist mittlerweile über 70 und hat gelernt, dass sie ihre Symptome nutzen kann, um besonders auf sich zu achten, wann immer diese Symptom-Warnanlage anspringt. natürlich war der gesamte Prozess komplexer als sich selbst zu sagen „Wenn der Motor rattert, muss ich auf mich aufpassen.“

Aber jedes Aufflammen des inneren kritischen Anteils hat sie sensibel wahrnehmen lassen, was genau in der jeweiligen Situation passiert und was ihr dabei wichtig ist. 

Kritische Anteile in den Griff bekommen

Vielleicht hast du es selbst im Alltag schon gemerkt, dass deine kritischen inneren Anteile – deine Stress-Typen – dir das Leben schwer machen können. Wir bekommen diese Anteile nicht weggezaubert. Aber du kannst lernen, auf neue Art mit Ihnen umzugehen! Manch KlientIn bzw. PatientIn nutzt u.a. dafür die persönlichen 1:1-Stunden mit mir.

Aber du kannst auch im Alleingang beginnen, einen besseren Umgang mit den Stress-Typen hinzukriegen. Hierfür habe ich ein Selbstlern-Programm entwickelt, das du bei Bedarf mit Unterstützungsterminen ergänzen kannst. So bist du maximal flexibel. Du hast die Wahl! Wichtig ist zu verstehen, dass kritische Anteile Beachtung benötigen, damit sie uns langfristig nicht erschöpfen. 

Wenn du mehr über das Selbstlernprogramm erfahren willst...

…. dann besuche jetzt die Seite: Wie ich meinen inneren Kritiker auf die Schliche komme und meinen Stress-Typen entlarve“.