Warum du nicht mehrere Dinge zeitgleich tun solltest

Mythos Multitasking: Können wir Menschen das? Ist es erlernbar? Sind Frauen im besonderen  Maße multitaskingfähig?

Spoiler: Nein, nein und nochmals nein.

In  diesem Artikel räume ich auf mit dem Multitasking, also dem bewussten Ausrichten der Aufmerksamkeit auf mehr als eine Sache und ich sage  dir, warum du zukünftig gar nicht versuchen solltest, mehrere Dinge zeitgleich zu machen.

Montagmorgen, 7:30 Uhr. Du fährst mit deinem Auto durch den Berufsverkehr auf dem Weg ins Büro. Kollegin Sabine hat bereits zweimal mit dir telefoniert wegen der heutigen Präsentation. Du versuchst parallel mit deinem Kind auf der Rückbank zu besprechen, was ihr alles im kommenden Urlaub machen werdet, und deinen Coffee to go zu trinken.

  • Auto fahren
  • telefonieren mit Sabine
  • Gespräch mit dem Kind
  • Kaffee trinken

Vier Dinge, die du nahezu zeitgleich machst. Glaubst du, dass du wirklich vollumfänglich

  • aufmerksam am Steuer bist?
  • alle Gesprächspunkte mit Sabine  mitbekommst?
  • konzentiert bist beim Gespräch mit deinem Kind?
  • deinen Kaffee genießen kannst?

Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte: Nein!

Die Wissenschaft hat festgestellt: Die Fehlerquote steigt bei Multitasking

Multitasking – ständig machen wir mehrere Dinge zeitgleich. Das ist gar kein Problem, behaupten wir. Wir können das und wir sind sogar besser als der Durchschnitt. Dies behaupteten jedenfalls sieben von zehn Studenten im Rahmen eines Versuchs zum Thema Multitasking.

In diesem Versuch ist bestätigt worden: Mehrere Dinge gleichzeitig auszuführen, führt zu keinen guten Ergebnis. Selbsteinschätzung und reale Leistungsfähigkeit driften sogar deutlich auseinander. Personen, die von sich behaupteten, sehr oft verschiedene Dinge gleichzeitig zu machen und dabei gute Leistung zu erbringen, schnitten im Versuch extrem schlecht ab. Die im Versuch zu bewältigenden Aufgaben klingen simpel: Die Testteilnehmenden mussten sich unterschiedliche Buchstaben merken, welche ihnen im Wechsel mit einfachen Rechenaufgaben gezeigt wurden. Zum Beispiel:

Ist 5+3=8?, T, Ist 4-1=2?, c, Ist 2×5=10?, s… etc.

Um eine derartige Aufgabe bewältigen zu können, müssen im Gedächtnis unterschiedliche Informationen schnell und zeitnah nacheinander bereit gehalten werden. Gleichzeitigkeit ist nachweislich unmöglich, Prozesse laufen immer nacheinander ab. Je schneller diese Prozesse ablaufen, desto größer muss die Fähigkeit zur Konzentration sein. Diese spielt die entscheidende Rolle.

Nach dieser Aufgabe mussten die Versuchsteilnehmer*innen einschätzen, wie gut sie beim Bewältigen der Aufgabe abgeschnitten haben. Darüber hinaus interessierte die Wissenschaftler*innen, wie oft die Testpersonen im Alltag Dinge gleichzeitig machen. Schließlich ermittelten die Forschenden bei den Teilnehmenden Persönlichkeitsmerkmale wie das Bedürfnis nach ständiger Abwechslung und Impulsivität.

310 Studierende nahmen am Versuch teil, die Ergebnisse wurden im amerikanischen Fachmagazin „Plos one“ veröffentlicht, alles zum Versuch findest du hier (in engl. Sprache).

Sensation Seaker lechzen nach Multitasking

Wer im Versuch schlecht abschnitt, gab zugleich an, dass er sehr oft verschiedene Dinge gleichzeitig erledigt. Die eifrigsten „Multitasker*innen“ waren äußerst schlecht in der Leistung. Augenscheinlich fiel es diesen Personen sehr schwer, Ablenkungen auszublenden und sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Die Persönlichkeitsstruktur rundet das Ergebnis ab:

agsdix-set-line-lightbulb

Insbesondere die impulsiven Testteilnehmer*innen mit ausgeprägtem Bedürfnis nach ständiger Abwechslung lieferten sehr schlechte Ergebnisse.

Die deutlich verzerrte Selbsteinschätzung, was die Multitasking-Fähigkeit angeht, kann mit der Persönlichkeitsstruktur in Zusammenhang gebracht werden. (Quelle: „Who multi-tasks and why? Multi-tasking ability, perceived multi-tasking ability, impulsivity and sensation seeking.“ David M. Sanbonmatsu, David L. Strayer, University of Utah)

 

Mach den Multitasking-Check

Du willst wissen, ob  du gut in der Lage bist, mehrere Dinge zeitgleich bewusst wahrzunehmen? Probier es aus! Im folgenden Video hast du die Aufgabe

  • mitzuzählen, wie oft der Ball zugespielt wird
  • auf mehrere ungewöhnliche Ereignisse zu achten

Die zweite Aufgabe gebe ich dir, der Sprecher aus dem Off im Video gibt dir lediglich Aufgabe 1.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Und? War es? konntest du beide Aufgaben lösen? Wie hat sich das angefühlt? Die meisten Menschen, die sich mit den Aufgaben ausprobieren, erzählen danach: 

  • Das war total stressig.
  • Ich war nicht in der Lage, mich auf alles zu konzentrieren.
  • Mein Ergebnis war falsch.

Dieses Erleben ist normal und sehr menschlich!

Fazit

Multitasking – vergiss es. Wer fordert diese Kompetenz von dir? Ist es eine übereifrige Führungskraft, die es einfach nicht besser weiß? Oder ist es vielmehr dein eigener innerer Antrieb bzw. die rastlose und überhöhte innere Erwartungshaltung an die eigene Leistungsfähigkeit?

Nicht selten spielen diese inneren Prozesse eine viel größere Rolle als der äußere Leistungsdruck. Und für diese inneren Prozesse ist ausschließlich eine Person verantwortlich: Du selbst.

Multitasking hinter sich lassen durch Achtsamkeit

Falls du sagst, dass das unbedingt anders werden muss und du aus diesem inneren Druck entkommen willst, kann Achtsamkeit dir helfen. Einen achtsameren Umgang mit dir selbst kann du lernen, zum Beispiel in einem meiner Achtsamkeitsworkshops.