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Als ich Samstag auf dem Weg zum Resilienz-Workshop war, kam in den Radionachrichten die Info, dass die Zahl der Fehltage wegen Überlastung und Erschöpfung in Deutschland weiter gestiegen sind. Prompt kamen mir die Ergebnisse meiner Umfrage in den Sinn, die ich unter den Empfängern meines Newsletters im März durchgeführt hatte. „Passt.“, war mein erster Gedanke. „Diese News passen zu den Umfrageergebnissen wie die Faust auf´s Auge.“ Die anonymisierten und prozentualen Ergebnisse zum Topic „Wie geht es Ihnen derzeit grundsätzlich?“ in meiner Umfrage präsentiere ich hier:

Erschöpfung - Wie geht es Ihnen denn grundsätzlich?

Nach Bereinigung der Umfrageantworten kann ich nun sagen, dass sich nur ein verschwindend kleiner Anteil der Teilnehmer rundum fit fühlt – während über 50% Erschöpfung häufig bis permanent erleben (Werte grün + orange). Fast ein Drittel fühlt sich permanent sehr erschöpft (grüner Wert). Hui.

In den heute-Nachrichten wurde an jenem Samstag entsprechend berichtet:

Die Erschöpfung der Deutschen - 2012 und 2016

Diese Ergebnisse erinnern mich an den Heiligenfeld Kongress, den in 2013 zum Thema „Burnout“ besuchte. Ein Vortragsredner sagte damals, dass wir den Zenit der stressbedingten Ausfälle/ Zusammenbrüche noch nicht erreicht hätten. Damals konnte ich dies nicht glauben, heute geben mir die Zahlen die Bestätigung, dass der Redner damals recht hatte. Ich frage mich, wie lange sich diese Spirale noch weiter nach oben schrauben kann.

 

Der Druck in der freien Wirtschaft steigt und steigt. Eine Nachricht jagt die nächste: „Post macht Entfristung von Krankheitstagen abhängig“ (FAZ, 07.05.18), „Linke fordert Anti-Stress-Gesetz“ (Pharmazeutische Zeitung online, 07.05.18). Übrigens war schon in 2014 diese Antistress-Verordnung in der Diskussion – sowohl bei den Gewerkschaften (Süddeutsche.de, 17.10.14) als auch in der SPD (Zeit online, 25.08.14).

 

Fängt die Politik die Erschöpfung auf?

Ich finde es gefährlich, sich darauf zu verlassen, dass andere, in diesem Fall die Politik, für Bedingungen sorgen sollen, die meine ganz persönliche Lebensqualität steigern. Das soll nicht heißen, dass gewisse Standards unumgänglich sind. Nein, die sind aus meiner Sicht essentiell, denn es kann nicht sein, dass zum Beispiel die Post in Deutschland Arbeitsvertragsentfristungen abhängig macht vom individuellen Krankenstand. Mit Verlaub, dass ist aus meiner Sicht ein menschenverachtender Umgang mit vom wichtigsten Produktionsmittel – dem Menschen. Doch wie soll eine Verordnung oder ein Gesetz allen gerecht werden? Es wäre fatal, damit zu rechnen, dass für alle mehr Lebensqualität am Arbeitsplatz rausspringt, wenn die Politik ein Gesetz erlässt. Mit der Haltung – „Die anderen kümmern sich!“ – gebe ich meine eigene Verantwortung ab und rutsche ganz gepflegt in die Opferrolle. Darüber sollte ich mir im Klaren sein. Im schlimmsten Fall warte ich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, dass sich etwas ändert – oder bis zum persönlichen Zusammenbruch.

 

Nein, hier ist insbesondere auch der Einzelne gefragt: Sie – du – ich – wir alle. Aktiv werden ist unumgänglich. Seine ganz persönliche Selbstwirksamkeit erkennen, sollte das Motto der Stunde sein. Das ist übrigens auch gleich ein wichtiger Baustein in Sachen Stärkung der inneren Widerstandskraft.

Ich weiß, der Berg wirkt verdammt hoch. Und vielleicht ist da auch gerade kein Weg in Sicht. Doch ich garantiere: Da gibt es mindestens einen Weg für jeden. Der fordert heraus, der ist evtl. unbequem und verunsichert vielleicht auch. Aber es gibt ihn. Davon bin ich zutiefst überzeugt.

 

Die Grundhaltung

Diese Überzeugung, diese Grundhaltung ist der ideale Startpunkt für alles weitere. Hätte ich selbst diesen Startpunkt nicht für mich gesehen, würde es heute weder diesen Blog Post noch mein Unternehmen geben. So wie ich an anderer Stelle bereits über die Grundhaltung bei der Achtsamkeit geschrieben habe, so will ich an dieser Stelle betonen, dass es auch mit Blick auf die innere Widerstandskraft auf diese besondere Grundhaltung ankommt: nach vorne schauen, auf Handlungsmöglichkeiten schauen. Es kann sein, dass der Handlungsspielraum sehr klein ist – und dennoch ist er da. Das Tolle ist: Sowie wir ins Tun kommen, verändert sich in der Regel unsere Stimmung. Wir spüren, dass wir etwas bewegen können, dass wir es in der Hand haben. Und richtig, richtig prima ist, dass die Teilnehmer in meiner Umfrage dies auch erkannt haben. Nach Bereinigung der Ergebnisse wünschen sich die Teilnehmer nämlich dies:

Raus aus der Erschöpfung - wie kann es klappen?

Und genau damit werde ich mich in den kommenden Wochen befassen. Ich werde ein Programm entwerfen und umsetzen, das helfen soll, mehr in Balance zu kommen. Eines kann ich schon jetzt versprechen: Es wird nicht perfekt! Und es wird nicht jeden erreichen! Vielleicht findet auch jemand das Programm richtig doof. Kann alles sein. Ach, und eine Bauanleitung für eine Rakete (im übertragenen Sinne) werde ich damit auch nicht liefern.

 

Aber was ich liefern kann, sind Impulse, Denkanstöße, Alltagstipps, Tritte in den Allerwertesten, um am Ball zu bleiben… 😉 Bis eben stand hier noch, welche Medien ich einsetzen will. Aber bin ich denn verrückt, dies jetzt schon festzulegen? Deshalb ist diese Vorschau wieder aus dem Blog Post rausgeflogen. Meine Idee wird sich in den kommenden Wochen weiter entwickeln. Und dass da schon was im Hintergrund läuft, sieht man hier:

Julia Cremasco sagt: Raus aus der Erschöpfung - mehr Lebensqualität ist möglich.

Nein, mir stehen nicht die Haare vor Verzweiflung zu Berge. Das Foto ist entstanden, als es die letzten Tage so warm war und da machen meine Haare gern, was sie wollen. Aber zurück zum Thema: Damit ich sehr eng an dem bleibe, was wirklich wichtig ist, darfst du mir immer noch Hinweise, Wünsche, Fragen zum Onlineangebot senden. Das ist nicht nur hilfreich, sondern sogar essentiell. Denn das Hellsehen ist nicht meine Stärke, schon gar nicht aus der Ferne.

Spüren ist der Schlüssel zur Änderung.

Das Programm, das entstehen soll, wird keines sein, das über den Verstand funktioniert. Das verspreche ich schon heute. Ich bin zutiefst davon überzeugt und habe noch nie das Gegenteil erlebt: Rein kognitiv können wir gar nichts ausrichten und entwickeln auf der Ebene der Gewohnheiten. Es ist das Spüren, das entscheidend ist. Falls wer anderes erlebt hat, möchte ich das bitte erfahren! Das Spüren lässt mich unmittelbar erleben, wie sich anderes Verhalten, eine andere Gewohnheit anfühlt. Fühlt es sich nicht gut an? Dann hör damit wieder auf, der Weg passt nicht. Fühlt es sich gut an – dann mehr davon! Wiederholen! Begeisterung kann sich zeigen. Und genau das – die Begeisterung – ist der Schlüssel zur Wiederholung.

 

Lust auf ein Gedankenexperiment?

Stell dir vor, du willst Urlaub machen, möchtest dich erholen. Du hast keine Ahnung, wie sich Urlaub in der Sonne und Urlaub in kalten, eher regnerischen Regionen anfühlt. Also buchst du eine Woche Urlaub in einem Land, wo es garantiert sonnig und warm ist. Denk dir was aus, wo das sein könnte: Karibik, Mallorca, Madagaskar… Und du buchst auch eine Woche Urlaub in einem Land, wo es eher kalt und regnerisch ist. Was nehmen wir? Vielleicht Island – im Herbst. Ich war da noch nie, würde gern mal hin und ich glaube, im Herbst ist es da recht „erfrischend“. Aber das nur am Rande. Also, du buchst und reist hin, um ins Erleben zu kommen. In Sachen Urlaub ist es so selbstverständlich ins Erleben zu kommen. Du wirst vor Ort spüren, wie es ist, in der Sonne Urlaub zu machen bzw. in der durchwachsenen, regnerischen Region. Garantiert wirst du ein Bedürfnis in dir tragen, wie es für dich ideal ist. Du wirst das SPÜREN! Und du wirst dich für eine Urlaubsvariante begeistern, um diese dann – vielleicht in einem anderen Land, das ähnliche klimatische Bedingungen aufweist – wiederholen und wiederholen und wiederholen.

 

Exakt genauso ist das mit allen anderen Gewohnheiten in deinem Leben. Du spürst, was dir gut tut. Also stell dich bitte darauf ein, dass mein Online-Angebot dich nur begrenzt mit kognitivem Input füttern wird. Schwerpunkt soll das Erleben und Spüren werden. Und falls das mit dem Spüren derzeit noch nicht so gut klappt, kannst du auch das üben. Eine mögliche Übung ist „Check in – Check out“. Die findest du in diesem Blog Post.