So vertraust du endlich (wieder) dir selbst: Selbstvertrauen stärken

Selbstvertrauen aufbauen und stärken: Wenn wir uns nicht trauen ins Handeln zu kommen. Donnerstagnachmittag, 17 Uhr: Therapiestunde mit Lisa S., die ihr Selbstvertrauen stärken will. Sie sitzt tränenüberströmt in meiner Praxis. Denn sie hat im Rahmen ihrer kaufmännischen Ausbildung beim turnusmäßigen Abteilungswechsel eine Bewertung ihrer Leistung erhalten, die ihr den Boden unter den Füßen weggezogen hat. In der Bewertung steht: „Frau S. sollte ihren Fähigkeiten und Kenntnissen mehr vertrauen.“ Meine Klientin fühlt sich erwischt. Warum? Selbstvertrauen stärken – das ist ihr Thema. Und ihr Ausbilder hat genau das erkannt. Dass er auch ihre Fähigkeiten und Kenntnisse bemerkt hat, ist völlig zweitrangig für sie.

Lisa S. leidet sehr unter ihrem Mangel an Selbstvertrauen. Typisch ist für sie:

  • Sie macht sich Sorgen bezüglich der Zukunft.
  • Erinnerungen an Misserfolge und Fehler sind an der Tagesordnung.
  • Innere Bilder von Dingen, die schlecht liefen, entstehen regelmäßig.
  • Lisa denkt oft an ihr Scheitern und vermeintliche Katastrophen.
  • Eine Reihe von körperlichen Empfindungen sind typisch: Herzrasen, trockener Mund, rote Flecken in Gesicht und am Hals, Nervosität im Bauch.

Und Frau S. ist nicht alleine mit dem wenig ausgeprägten Selbstvertrauen. Das, was sie erlebt, erleben viele Menschen in unterschiedlichen Kontexten tagtäglich und tapsen in die Selbstvertrauenslücke: „Ich kann mein Ziel nicht erreichen bzw. nicht so sein, wie ich gern möchte, solange ich nicht mehr Selbstvertrauen habe.“ Ist das eine hilfreiche Einstellung, wenn ich mein Selbstvertrauen aufbauen will? Nein, defintiv nicht. 

Welche Konsequenzen kann mangelndes Selbstvertrauen haben?

Die zuvor beschriebene Selbstvertrauenslücke ist tückisch, denn wenn du so denkst, gerätst du in einen Teufelskreis. Umgekehrt ist es richtig: Es gilt, die Angst und Unsicherheit an die Hand zu nehmen und ins Handeln zu kommen. Das Selbstvertrauen(sgefühl) folgt. So baust du dein Selbstvertrauen auf.

Menschen mit sehr wenig Selbstvertrauen sind wie Menschen mit einer monströsen Fußfessel: Sie humpeln mit der blockierenden Fessel durchs Leben und glauben, sie selbst sind der Grund für das Problem und die Fessel, die den Fuß gefangen hält. Dass sie die Fußfessel abstreifen könnten, um dann ein freies Leben zu führen, kommt ihnen nicht in den Sinn. Meine klare Message: Ja, es funktioniert – eine Fußfessel kann wirklich jede(r) ablegen – auch du! Lisa S. hat es übrigens auch geschafft.

Wer wenig Selbstvertrauen hat,

…der lebt an seinen eigenen Werten vorbei und gestattet sich nicht, das Leben zu leben, das zu ihm oder ihr passt. Vielleicht spürst du selbst deine Werte und die Ziele, die du gern verfolgen würdest. Doch dein gering ausgeprägtes Selbstvertrauen verhindert, dass du das Leben lebst, das du gern leben würdest. Oder aber du hast dich noch nie mit deinen Werten auseinandergesetzt und kennst diese noch nicht.

Dann wird es höchste Zeit! Ich kann aus eigener Erfahrung nur sagen, dass die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten elementar wichtig ist. Das Wort „Game changer“ mag ich nicht und doch ist es so, dass Klarheit über die eigenen Werte genau das sein kann: Ein Urknall, der das eigene Leben umkrempelt. Klarheit über meine eigenen Werte hat maßgeblich dazu beigetragen, dass ich selbst meinen Angestellten-Job aufgegeben und mich selbständig gemacht habe.

Selbstvertrauen ist immer zweckgebunden. Selbstvertrauen um seiner selbst Willen bringt dich nicht weiter. Du brauchst Selbstvertrauen, weil du damit ein Ziel erreichen willst.

Wenn du dein Selbstvertrauen stärken willst, frag dich bitte:

  • Wenn du Selbstvertrauen hättest, was wäre dann anders?
  • Wie würdest du handeln?
  • Was würdest du beenden?
  • Welche Ziele würdest du verfolgen?

Selbstvertrauen aufbauen und Werte leben

Wenn wir von Zielen sprechen, bedenke bitte, dass du umso eher dein Ziel erreichst, je mehr dieses mit deinen Werten in enger Verbindung steht. hast du dich mit deinen Werten schon auseinandergesetzt? Falls nicht, fang an! Wenn du nach deinen Werten lebst und ihnen immer mehr Raum in deinem Leben gibst, wirst du nachhaltiger motiviert sein, deine Ziele auch zu erreichen. Du spürst dann nämlich den Sinn im Handeln. Ziele, die nicht zu deinen Werten passen, erlebst du dagegen als sinnlos.

Und je motivierter du bist, ein Ziel zu erreichen, desto eher lässt du dich immer wieder auf das Handeln ein – auch wenn es dich wohlmöglich noch verunsichert. Du spürst trotz der Unsicherheit, dass es – für dich – richtig so ist und dich weiter bringt.

Meine Auseinandersetzung mit meinem eigenen Wertekanon hat – wie schon erwähnt – dazu beigetragen, dass ich meinen „sicheren“ Angestelltenjob aufgegeben habe, um mich selbständig zu machen. Der Weg in die Selbständigkeit war äußerst anstrengend, die Prüfungsphasen waren erschöpfend. Und auch in der Selbständigkeit zeigt sich immer wieder diese Unsicherheit, welcher Weg/ welche Entscheidung an einer bestimmten Stelle die Weichen sinnvoll stellt – all das kann ein Mensch nur dann dauerhaft ertragen, wenn er spürt, dass zentrale Lebenswerte durch sein Handeln bedient werden. Das Selbstvertrauen entsteht dann quasi nebenbei.

Weiteres zum Thema „Werte“ findest du hier.

Selbstvertrauen stärken: Warum ist ein Mangel Selbstvertrauen so weit verbreitet?

Drei Faktoren tragen dazu bei: die Erwartungshaltung, die Funktionsweise des Verstandes und der Umgang mit Angst.

Unsere Gesellschaft ist an einem Entwicklungspunkt angekommen, an dem offensichtlich ist, dass wir von uns (zu) viel abfordern. In unserer hochkomplexen Welt ist es nicht ungewöhnlich, dass wir in einigen Dingen keine Erfahrung haben oder uns die Fertigkeiten (noch) fehlen. Und doch erwarten wir alles. Bitteschön sofort. Das führt regelmäßig zu übersteigerten Erwartungen und einer sehr selbstkritischen Haltung. Der Einzelne kommt im Dauerkampfmodus an.

Unser innerer Hochleistungssportler, der Verstand, greift sich die Angst vor einer Unsicherheit, die typisch ist für den Dauerkampfmodus, und entwickelt darauf aufbauend fröhlich viele Sorgengedanken. Sowieso sendet unser Verstand regelmäßig Negativ-Botschaften. Das hat etwas zu tun mit unserer Menschheitsgeschichte. Unser Urahne war vielen Gefahren ausgesetzt und konnte nur überleben, wenn er ständig sehr wachsam alles auf potentielle Bedrohungen abgescannt  hat. Auch wenn wir heutzutage – zum Glück! – in einer um Längen sichereren Welt leben, handelt unser Verstand immer noch so wie bei unserem Vorfahren.

Diese Jahrtausende alte Kampf-Flucht-Reaktion,…

…die in anderem Zusammenhang auch gern als Stress-Reaktion bezeichnet wird, ist nicht abstellbar. Wenn wir unseren sicheren Hafen verlassen, ist ein Gefühl von Unsicherheit normal. Alles Unbekannte führt zu einer Stressreaktion mit dem Ziel der Anpassung an die Situation. Manchmal ist diese Stressreaktion eher simpel („Ich sitze in einem wichtigen Meeting und traue mich trotzdem, aufzustehen und zur Toilette zu gehen.“), manchmal komplexer („Ich langweile mich an meinem Arbeitsplatz, der blöde Kollege nervt täglich, ein neuer Arbeitsplatz muss her.“)

Leider will uns die Gesellschaft immer wieder weißmachen, dass Angst etwas Schlechtes ist. Kennst du den Ausspruch „Angst ist ein schlechter Berater.“? Siehste! Leider ist das falsch. Angst ist ein guter Berater. Angst macht uns wach. Wir merken, dass gerade etwas Wichtiges passiert, das unsere Aufmerksamkeit benötigt. Angst aktiviert dich, ist Teil der Stressreaktion und hilft dir, dich auf deine Weise auf die Situation einzulassen. Angst ist kein Feind, sondern eine Energiequelle für die Weiterentwicklung. Willst du dein Selbstvertrauen stärken, gilt es auf neue Art mit der Angst umzugehen.

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Selbstvertrauen aufbauen: Was machen Menschen mit einem hohen Selbstvertrauen anders?

Das Erkennen der eigenen Werte ist wichtig, denn daraus ergeben sich die persönlichen Ziele. Das hast du jetzt schon gelernt. Und um dein Ziel zu erreichen, benötigst du Selbstvertrauen. Menschen mit einem hohen Selbstvertrauen kennen ihre Ziele und sie kennen auch das permanente Schnattern der eigenen Gedanken und erleben es, dass der Verstand negative, potentiell blockierende Befürchtungen schickt. Das erlebt so gut wie jeder Mensch.

Die entscheidende Frage lautet: Wie gehe ich mit dem ständig plappernden Verstand und der Verunsicherung um? Wer sein Selbstvertrauen stärken will, sollte sich unbedingt bewusst mit dieser Frage auseinandersetzen.

Menschen mit hohem Selbstvertrauen lassen sich nicht von all den Gedanken beeindrucken, schon gar nicht von den negativen. Sie handeln trotzdem, statt mit den Gedanken zu verschmelzen. Der Verstand schickt zig Begründungen, zum Beispiel solche:

  • Gründe, warum etwas scheitern kann.
  • Hindernisse, die auf dem Weg liegen.
  • Das eigene, geringe Talent im Vergleich zu anderen.
  • Mögliche, verheerende Ergebnisse.

Wer ein gut ausgeprägtes Selbstvertrauen hat, sucht neugierig Wege, um das Ziel zu erreichen. Das ist nicht über das alleinige Denken zu bewältigen, sondern durch Aktivität. Genauso nehmen Menschen mit hohen Selbstvertrauen ihre Unsicherheit und Angst an die Hand, um gemeinsam mit diesem Gefühl zu handeln. 

Denn Selbstvertrauen ist zweierlei:

Es ist ein Gefühl der Sicherheit UND es ist eine Handlung des Vertrauens. Die meisten Menschen definieren Selbstvertrauen unvollständig, nämlich ausschließlich als Gefühl.

Also: Stur wie ein Maultier handeln, handeln, handeln – das Gefühl entwickelt sich durch das Machen. Dazu fällt mir ein Beispiel aus meinem eigenen Leben ein: Im Alter von fünf Jahren war ich schwer krank und musste für drei Wochen im Krankenhaus bleiben. In den 1970ern war es nicht üblich, dass ein Elternteil beim kranken Kind bleiben darf. So war ich dort ganz allein und sehr verängstigt. Eine Krankenschwester wollte mich sogar einsperren, wenn ich nicht aufhören würde zu weinen.

Das war eine schlimme Zeit für mich und nach den drei Wochen hatte ich Angst vor fremden Menschen. Ich musste nach der Krankenhauszeit üben, zu Fremden etwas zu sagen. Und das habe ich getan: Bei uns um die Ecke gab es einen kleinen „Tante Emma“-Laden. Dort bin ich regemäßig hingegangen und habe Milch und Brötchen gekauft. Jedes Mal hatte ich Angst, aber mit der Zeit gewöhnte ich mich daran und konnte mich immer mehr darauf verlassen, dass ich es schaffe. Du siehst: Selbstvertrauen ist eine Handlung des sich Einlassens und Vertrauens: Ich verlasse mich auf mich selbst.

„Wer etwas will, findet Wege – wer etwas nicht will, findet Gründe.“

Hast du das schon mal gehört? Je mehr mein Selbstvertrauen gestärkt ist, desto mehr bin ich mir meiner Werte im Klaren und damit meiner Ziele. Wenn ich mein Ziel kenne, suche ich meinen Weg, um das Ziel zu erreichen. Das Schnattern des Verstandes („die Gründe“) lasse ich an mir vorbeiziehen wie Blätter, die flussabwärts treiben.

Außerdem kann man bei Menschen mit hohen Selbstvertrauen eine achtsame Fokussierung im Handeln beobachten. Sie lassen sich im hohen Maße auf das ein, was sie tun, und sind ganz präsent – egal, ob es das Ausüben einer Sportart, ein Business-Meeting oder das Sandburgenbauen mit dem Kind ist. Menschen mit hohen Selbstvertrauen sind in der Lage, aufgabenbezogen aufmerksam zu sein. Sie erkennen, dass negative Gedanken an das Scheitern nicht hilfreich sind für eine bestimmte Aufgabe. 

Wie kann man dieses sich Einlassen üben? Du hast ein perfektes Werkzeug dafür bei dir: Ich denke an deinen Atem. Du kannst immer und überall ein paar Atemzüge sehr bewusst atmen und mit der gesamten Aufmerksamkeit beim Atem verweilen. Falls das mit dem Atem blöd ist, kannst du dich alternativ auch in die Natur setzen und ein paar Momente lang den Geräuschen lauschen: das Rauschen der Blätter im Wind, das Zwitschern der Vögel etc. Oder du genießt ganz achtsam eine Tasse Kaffee. Es gibt unfassbar viele Möglichkeiten, Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren, um dadurch das sich einlassen zu trainieren.

Selbstvertrauen aufbauen bedeutet: Immer wieder ins Machen kommen

Selbstvertrauen aufbauen: Wie können wir mit dem ständig plappernden Verstand umgehen?

Die kritischen Stimmen im Kopf sind nicht das Problem – die wird eh keiner abschalten können. Problematisch ist dein Umgang mit diesen Stimmen. Das Motto darf ab sofort lauten: Raus aus der Überzeugung „ich bin das, was ich denke.“ Nein, du bist mehr. Selbstvertrauen stärken bedeutet auch, dem Verstand die Übermacht zu nehmen. Der Verstand ist wichtig, aber nicht König deines Gesamtsystems. So wie jede Krankheit aus verschiedenen Symptomen besteht und jeder Beruf aus verschiedenen Tätigkeiten, so bestehst du aus deinem Körper, deinem Denkapparat, deinen Gefühlen, deinen Werten, deinem Charakter, deinen Kompetenzen. Du bist nicht dein Denken. Das ist nur ein Teilaspekt deiner Lebendigkeit.

Dein Verstand versucht jedoch gern, dich in einem dichten Nebel aus Gedanken einzuhüllen. Tatsache ist: Bei vielen Menschen ist der Verstand überkonditioniert. Er will denken, denken, denken. Um einen gewissen Abstand zu gewinnen, kannst du zum Beispiel deinem Denken danken, wann immer er dir einen Gedanken schickt: „Danke für deinen Impuls, Verstand.“ Mit der Zeit werden die negativen Gedanken weniger, wenn wir ihnen weniger Bedeutung zuteilen. Aber ganz abschalten – das wird nicht klappen. Erkenne, dass das Stärken des Selbstvertrauens mit dem Akzeptieren des plappernden Verstandes einher geht.

Selbstvertrauen aufbauen und zu seinen Fähigkeiten stehen

Selbstwert, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstakzeptanz – alles das Gleich oder anders?

Nein, bei weitem sind das nicht alles Begriffe für ein und dasselbe Phänomen. Und die Theorien rund um diese Begriffe sind mittlerweile äußerst vielfältig.

Im Einzelnen: Der Selbstwert

Es gibt heutzutage Stimmen, die sagen, dass ein hohes Selbstwertfühl gar nicht gut ist, da es mit Egoismus und Narzissmus korreliert und diese Menschen zu Diskriminierung und Vorurteilen neigen. Ich sehe das differenzierter, denn letztendlich ist alles, was im Übermaß gelebt wird, nicht förderlich.

Selbstwertgefühl stellt für mich das Gesamtkonstrukt dar, das sich aus Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz sowie sozialer Kompetenz (in Kombination mit einem stabilen Netzwerk) zusammensetzt. Selbstbewusstsein sehe ich hier als Synonym für Selbstwertgefühl, es drückt aus, dass ich mir meiner Selbst und der Wertigkeit als Lebewesen bewusst bin. Diese Wertigkeit greift jedoch nicht einen dualistischen Gedanken auf. Es geht nicht um Vergleiche im Sinne eines „Ich bin besser, du bist schlechter.“ Ein Mensch mit einem stabilen und ausgewogenen Selbstwertgefühl bzw. Selbstbewusstsein ist in der Lage, die Gleichwertigkeit aller Lebewesen anzuerkennen und die Vielfalt wertzuschätzen. Dieser Mensch erkennt seine Bedürfnisse und Werte als genauso wichtig wie die Bedürfnisse und Werte aller anderen.

Die Selbstakzeptanz…

…sorgt dafür, dass ich mich in meinem aktuellen Daseinszustand annehme und nicht nur die Aspekte meines Selbst akzeptiere, die toll sind, sondern auch die, die mich nicht erfreuen: Ja, ich habe derzeit vielleicht 5 Kilos zu viel auf den Rippen. Ja, da wuchert vielleicht schon wieder ein graues Haar. Ja, ich habe einen Pickel auf der Nase. So ist das eben jetzt. Jedes Aufregen darüber führt am Ende nur zu unguten Gefühlen und einer eigenen Abwertung. Die 5 Kilos zu viel, die grauen Haare, der Pickel sind damit aber nicht verschwunden. Selbstakzeptanz bedeutet, ich lasse alle Selbstbeurteilungen los. Was ich dagegen nicht loslasse, ist das Ernstnehmen und Hinterfragen meiner Handlungen. 

Vielleicht erkennt du ein besonderes Phänomen: 

Selbstwert (Selbstbewusstsein) und Selbstakzeptanz beziehen sich auf Seins-Zustände, während das Selbstvertrauen mit Aktivität in Verbindung steht. Selbstwert ist das Gesamtergebnis, Selbstakzeptanz ist das Fundament und aus dem heraus entsteht das handelnde Selbstvertrauen. 

Ist Selbstvertrauen angeboren oder können wir es erlernen?

Die gute Nachricht des Tages: Nein, das Selbstvertrauen ist nicht angeboren – jeder kann sein Selbstvertrauen stärken! Ist das nicht fantastisch?

Lass dich von zwei Herausforderungen beim Stärken deines Selbstvertrauens nicht aufhalten.

Herausforderung Nummer 1:

Tappe nicht in die „Mal eben schnell“-Falle. Du kannst problemlos kurzfristig mehr Selbstvertrauen entwickeln. Wer kennt es nicht, dass er/ sie beinahe berauscht ist von einem Podcast, einer CD, einem Artikel. Achtung: Dieser Zustand hält nicht lange an! Nur mit dem Lesen oder hören ist nichts verändert in deinem Leben. Sobald du dann nämlich tatsächlich aus der eigenen Komfortzone raustrittst und selbst gefordert bist, fehlt das Selbstvertrauen.

Denn selbstverständlich spüren wir es alle: Jede Entscheidung birgt das Risiko des Scheiterns in sich. Wir können schlichtweg nicht wissen, wie die Nummer für uns ausgehen wird. Fakt ist: Es gibt keine Möglichkeit, die Komfortzone zu erweitern ohne aus ihr herauszutreten. Und es existiert keine Abkürzung. Mit anderen Worten: Will ich Entwicklung, Veränderung, etwas Besseres in meinem Leben, dann gehört eine Phase der Verunsicherung dazu.

Herausforderung Nummer 2:

Lass dich nicht von mentalen Verstrickungen gefangen nehmen. Sind wir in unseren Gedanken gefangen und lassen wir uns von ihnen das Leben diktieren, so ist das so, als wenn wir unsere Lieblingsserie durch eine dunkle Brille gucken und Watte in den Ohren haben. So blockiert bringt die Serie keinen Spaß. Und durch Gedanken blockiert, die mich daran hindern, nach meinen Bedürfnissen zu leben, bringt auch das Leben wenig Spaß.

Du siehst: Auch du kannst dein Selbstvertrauen stärken. Ausreden gibt es nicht. Es gilt einerseits ins vertrauensvolle Handeln zu kommen und andererseits jede Situation vollumfänglich wahrzunehmen. Was passiert um mich herum im Außen? Wie reagiere ich darauf innerlich? Was sagt mein Verstand zu dem Erlebten? Ist der Gedanke, den mir mein Verstand schickt, hilfreich? Und wie lautet überhaupt mein Ziel? Bin ich fokussiert?

Ein wichtiger Baustein beim Erlernen von Selbstvertrauen…

…ist aufzuhören sich Sorgen zu machen. Das ist leichter gesagt als getan!

Was bedeutet „sich um etwas zu sorgen“? Sorgen haben nur noch am Rande mit der zu Grunde liegenden Angst zu tun. Sorgen spielen sich im Denken ab und führen zu einer Verschmelzung mit Gedanken, die Schlimmes prophezeien. Dabei kann eine dicke Nebelsuppe entstehen, bestehend aus Befürchtungen, alten Zurückweisungen und Fehlschlägen, Fluchtgedanken, ja auch aus Racheplänen. Dieses Gedankengewühle wabert um uns herum und verhindert klare Sicht. Wir verwickeln uns mehr und mehr damit und der Überblick geht verloren. Bitte vergiss nicht: Die Gedanken an sich sind nicht das Belastende, es ist unser Festhalten dieser Gedanken – anstatt sie loszulassen. Sei dir bitte bewusst, dass das sich Sorgen machen einen Preis hat:

Wir verpassen das eigentliche Leben, weil wir so sehr an den Gedanken haften – mal abgesehen vom schlechten Schlaf, der an sich schon kräftezehrend ist.

Niemand ist davor geschützt. Das Ganze ist sehr energieraubend. Jede Achtsamkeitstechnik kann helfen, diesem Nebel zu entkommen und Abstand zu gewinnen.

Dein To Do: Übe dich in Achtsamkeit und stell dir diese Fragen:

  • Was kann ich tun, um lösungsorientiert mit dieser Situation umzugehen?
  • Wo kann ich Hilfe finden?
  • Welche Taten würden etwas bewirken?
  • Was ist das Schlimmste, was passieren kann, und wie kann ich darauf reagieren?

Erkenne, dass das sich Sorgen machen nutzlos ist und nicht mit „sich kümmern“ gleichzusetzen ist. Wenn du dich sorgst, verweilst du erstarrt in deinen Gedanken. Wenn du dich kümmerst, handelst du.

Dein Verstand ist gut darin, Geschichten zu erzählen. Doch ist es nicht deine Pflicht, jeder Story zuzuhören. Stattdessen hast du die Freiheit, Gedanken als das zu erkennen, was sie sind: nur Gedanken. Vielleicht auch Gedankenmuster. Sobald du einen Gedanken benennst als Gedanken, baust du Abstand auf und löst dich aus der Verstrickung.

Wie hilft das Selbstvertrauen dabei, Stress besser zu bewältigen?

Stress definiere ich – und nicht nur ich 😉 – als natürliche, menschliche Reaktion auf eine Situation mit dem Ziel der Anpassung an eben jene Situation. Gern ersetze das Wort „Reaktion“ durch „Handlung“.

Menschen mit hohem Selbstvertrauen erkennen eher, dass sie in jeder Situation zum Handeln aufgefordert sind und durch eben jenes Handeln eine Veränderung herbeiführen können.

Selbstwirksamkeit ist eng verknüpft mit der Stressbewältigung und dem Selbstvertrauen. Vielleicht hast du dies selbst schon erlebt: Je aktiver du in einer Situation bist – auch in einer stressigen -, umso besser geht es dir mit der Situation. Du spürst, dass du es „in der Hand hast“ und Herrin der Lage bist trotz Stress. Und zugleich stärkst du durch dein Handeln in der Situation dein Gefühl von Selbstvertrauen. 

Selbstvertrauen aufbauen bedeutet: Sich auch mal selbst herausfordern

Fazit:

Selbstvertrauen aufbauen beinhaltet die folgenden Bausteine

Wenn du dein Selbstvertrauen aufbauen willst, bedarf es viererlei:

  • Du gehst souverän mit deinem Verstand um: Hilfreiche Gedanken nutzt du, nicht hilfreiche Gedanken hältst du auf Abstand.
  • Deine Werte und Bedürfnisse kennst du, stehst dazu und leitest passende Ziele ab.
  • Achtsam kommst du ins aktive Handeln – vor dem Hintergrund deiner Ziele.
  • Das, was du zum Erreichen deiner Ziele brauchst, übst du. Ich denke hier an notwendige Fertigkeiten und Fähigkeiten. Diese wendest du immer und immer wieder an. Das geschieht nicht kopflos, sondern mit Phasen der Reflexion, sodass du bei auch etwas modifizierst.

Für die Kühlschranktür oder den Badezimmerspiegel: 9 Regeln des Selbstvertrauens

  • Die Handlungen des Selbstvertrauens kommen zuerst, die Gefühle des Selbstvertrauens kommen später.
  • Echtes Selbstvertrauen bedeutet eine veränderte Beziehung zur eigenen Angst und nicht die Abwesenheit von Angst.
  • Negative Gedanken sind normal. Kämpfe nicht gegen sie an. Stattdessen löse dich aus der Verquickung.
  • Kenne deine Werte.
  • Wahrer Erfolg heißt, nach seinen Werten zu leben.
  • Schiele nicht ständig auf ein Ergebnis und jage nicht immer dem nächsten Ergebnis hinterher, begeistere dich für den Prozess.
  • Scheitern schmerzt – aber wenn du bereit bist zu lernen, ist dein Scheitern ein guter Lehrmeister.
  • Willst du etwas erreichen, lass dich vollständig auf die Aufgabe ein.
  • Du machst keine Fehler – du machst Erfahrungen.

6 konkrete Tipps, um das Selbstvertrauen aufzubauen:

  • Schreibe eine „Mein zukünftiges Ich“-Liste“: Wie wärst du oder was würdest du tun, wenn du Selbstvertrauen hättest? Mach es wirklich. Nur darüber nachdenken, gilt nicht.
  • Identifiziere den Hauptgrund für dein gering ausgeprägtes Selbstvertrauen. Mit dem Grund geht IMMER eine bestimmte Handlung einher. Genau dahin geht deine Reise – lass dich darauf ein, deine Komfortzone zu verlassen. Trainiere achtsam und neugierig diese Fertigkeit und mach mit dir selbst einen (schriftlichen!) Vertrag: „Wenn ich darin gut werden möchte, ……, dann muss ich….. üben.“
  • Wann immer der Verstand Gründe entwickelt, etwas nicht zu tun, hinterfrage den Gedanken: Wird es mir helfen, mein Wunsch-Leben zu führen, wenn ich es zulasse, dass dieser Gedanke über meine Handlungen bestimmt?
  • Der Verstand schickt dir vernichtende Verurteilungen? „Ich bin eine Versagerin.“, „Ich kann das eh nicht.“ Löse dich aus der Verquickung mit dem Gedanken durch die Formulierung: „Ich merke, dass ich den Gedanken habe, eine Versagerin zu sein.“
  • Verabschiede dich von allen übersteigerten Erwartungen.
  • Nimm dein Angstgefühl an die Hand in Momenten der Unsicherheit. Es ist ein wertvoller Berater, es macht dich wach und präsent und sorgt für Energie, um ins Handeln zu kommen.

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