Achtung, in diesem Blogbeitrag wird es persönlich. Denn ich habe vor Kurzem etwas erlebt, was nicht okay war. Wertschätzung versus Ignoranz und Grenzüberschreitung – das ist das Thema dieses Artikels. Genauer: Wertschätzung anderen und dir selbst gegenüber.

Im Frühsommer 2014 war ich auf dem Heiligenfeld Kongress. Ja, das waren noch die Zeiten, in den 1000 Menschen sorglos zusammenkommen konnten. Den Eröffnungsvortrag hat an jenem Donnerstagabend Pater Anselm Grün gehalten. Falls du ihn nicht kennst: Allein optisches ist sein Auftreten schon besonders in unseren Zeiten. Er trägt gern seine Mönchskutte. Und so stand er damals an seinem Rednerpult und sprach zum Thema „Trau deiner Kraft. Glücksforschung – worauf es im Leben wirklich ankommt.“

Wie zeige ich mich anderen gegenüber wertschätzend?

Achtung, Erinnerung an Wertschätzung mit Donnerschlag

Man könnte denken: „Okay, so ein typischer Eröffnungsvortrag. Nach zehn Minuten haben bestimmt alle innerlich abgeschaltet.“ Weit gefehlt, kann ich nur sagen. Mitten im Vortag lehnte der nicht wirklich hochgewachsene Mann sich über das Pult, schaute ins Publikum und donnerte: „Einen Scheiß muss dieser Kongress! Einen Scheiß muss mein Vortrag. Einen Scheiß müsst ihr!!“

 

Wow.

 

Wertschätzung zeigen

Und weißt du, genau das ist mir immer noch in Erinnerung. Worauf kommt es im Leben wirklich an? Auf den Nachweis, die 100ste Fortbildung erfolgreich absolviert zu haben? Auf Eigenheim, zwei Autos vor der Tür und Sauna plus Pool im Garten? Auf 1000 oder mehr Kontakte in den sozialen Medien? Auf die perfekte Ausdrucksweise? Um echte und zu tiefst empfundene Wertschätzung zu erfahren, sind keine dieser äußerlichen Dinge wichtig. DU solltest wichtig sein. Dein Menschsein.

Warum ich dir das erzähle? Lass mich berichten, was mir letzte Woche passiert ist: Ich habe eine Mail von einer mir unbekannten Person erhalten. Diese Person hat sich nicht konstruktiv, sondern unfreundlich und herablassend darüber geäußert, dass in einem meiner Blogbeiträge Flüchtigkeitsfehler zu finden sind. Und es ging noch weiter: Die Person hat diese Schreibfehler auf meine therapeutischen Leistungen übertragen. Dabei kennt sie mich und meine Arbeit nicht. Sie hat nur einen Artikel gelesen. Wertschätzung zeigen – das geht anders.

Tja, und was ich dazu heute noch sagen will: Es ist als Legasthenikerin immer wieder eine Herausforderung. Ich habe das nie an die große Glocke gehängt und auf meiner Webseite bisher nie thematisiert, weil ich es nicht als relevant empfunden habe. In der Grundschule wurde diese „Krankheit“ bei mir diagnostiziert. Seitdem übe ich. Und über und übe. Die Legasthenie hat mich nicht davon abgehalten, Deutsch auf dem Gymnasium als Leistungskurs zu wählen. Sie hat mich auch nicht davon abgehalten, einen Blog zu starten oder eine fachjournalistische Ausbildung.

Ja, ich mache Schreibfehler. Ich vertausche die Buchstabenreihenfolge, weil ich meist schneller denke, als ich schreibe. Und wenn ich nicht 10mal Korrektur lese, dann sind leider auch Schreibfehler in meinen Veröffentlichungen.

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Aber muss ich deshalb aufhören mit dem Schreiben?

Muss ich mich runterziehen lassen von derartigen Kommentaren?

Ich zitiere Anselm Grün: Einen Scheiß muss ich.

Trotz „Fehler“ bist du wertvoll

Wir alle sind fehlbar. Menschen sind nie perfekt. Und trotz aller vermeintlicher Fehler verdient jeder Mensch Wertschätzung und Anerkennung. Lass uns auf ein paar prominentere Personen schauen:

  • Der Begründer der modernen Hypnotherapie – Milton H. Erickson – war Borderliner.
  • John Forbes Nash war ein genialer Mathematiker und litt an schizophrenen Psychosen.
  • Mein hochgeschätzter Kollege Dr. Michael Bohne ist Legastheniker und flog als Klassenkasper von der Hauptschule ohne Schulabschluss. Heute ist er Psychiater und Psychotherapeut.
  • Kristen Bruhn aus Schleswig-Holstein ist inkomplett querschnittsgelähmt und sehr bekannte Leistungsschwimmerin.
  • Stephen Hawking litt unter ALS. Mit 21 gaben die Ärzte ihm nur noch zwei Jahre. Gestorben ist er 2018 im Alter von 76 Jahren.
  • Nick Vujicic wurde ohne Arme und Beine geboren. Als Kind litt er unter Diskriminierung und Spott. Heute ist er ein weltberühmter Redner, Buchautor und Schauspieler.
  • Steve Jobs war ein begnadeter Visionäre und gleichzeitig emotional hochgradig instabil.

Sorry, dass ich hier mehr Männer als Frauen aufzähle. Ich habe leider in diesem Moment keine anderen Beispiele parat. Wenn dir weitere einfallen, schreib mir gern! Ich ergänze dann den Artikel.

Zeige lieber zuviel als zu wenig Wertschätzung!

Wertschätzung erfahren?

Es ist nicht angenehm, auf eigene Fehler hingewiesen zu werden. Ich denke, das geht dir nicht viel anders als mir. Insbesondere ist es aber nicht schön, wenn der Hinweis respektlos und herablassend erfolgt. Das ist ein bisschen so, als wenn ich die Nase meines kleinen Hundes in sein Häufchen drücken würde. Aber ich bin nicht mein Hund. Ich muss eine so wenig wertschätzende Kritik nicht annehmen. Das ist so wie in der alten Zen-Geschichte vom weisen Krieger:

Eine Geschichte über Respektlosigkeit

Vor vielen 1000 Jahren lebte ein sehr weiser Krieger. Er war schon sehr alt und trotzdem war er in der Lage, jeden Gegner zu besiegen.

Irgendwann kam ein junger Kämpfer in das Dorf des weisen Kriegers. Dieser junge Kämpfer war wild entschlossen, den alten, weisen Krieger in die Knie zu zwingen. Der junge Kämpfer hatte eine unglaubliche Stärke und war darüber hinaus auch in der Lage, die Schwächen des Gegners aufzuspüren und auszunutzen. Bisher hatte er auf diese Weise all seine Gegner besiegt.

Der junge Kämpfer…

…forderte also den alten, weisen Krieger heraus. Und dieser nahm die Herausforderung an zum Entsetzen seiner Schüler. Und so kam es zum Kampf und der junge Kämpfer begann damit, dem weisen Krieger gemein und wüst zu beschimpfen. Außerdem bewarf er ihn mit Dreck und spuckte ihn an. Das Ganze ging stundenlang und die Beleidigungen wurden schlimmer und schlimmer.

Und was tat der weise Krieger? Er stand die ganze Zeit einfach nur da und tat nichts. Am Ende war der junge Kämpfer völlig erschöpft. Er sah ein, dass er verloren hatte und verließ beschämt das Dorf.

Die Schüler des weisen Kriegers waren enttäuscht, dass dieser den Kontrahenten nicht in seine Schranken verwiesen hat. Sie fragen, warum er das nicht getan hat: „Wie konntest du dich nur so beleidigen lassen? Wie kam es, dass er einfach so wieder gegangen ist?“ Und der weise, alte Krieger antwortete: „Wenn dir jemand ein Geschenk geben will und du es nicht annimmst, wem gehört dann das Geschenk?“

Grenzüberschreitungen im Internet

Bitte versteh mein Erleben und diese Geschichte als Impuls für dich. Wann immer jemand sich nicht wertschätzend dir gegenüber zeigt, frage dich bitte, welche Reaktion dir guttut. Ja, Unfreundlichkeit ist eine Grenzüberschreitung. Und die ist nicht in Ordnung. Gerade in den Weiten des Internets sind Grenzüberschreitungen weit verbreitet. Denn es ist einfach, eine gehässige Mail oder einen abwertenden Kommentar zu schreiben. Man ist dabei ja „schön“ versteckt hinter seinem Rechner oder Smartphone und muss dem Empfänger der Botschaft nicht in die Augen sehen. Je anonymer, umso leichter wird es mit dem grenzüberschreitenden Verhalten.

Sich wehren bei Respektlosigkeit?

Was hilft es dir, wenn du jeden Angriff gegen dich aufgreifst, wie ein Hund das geworfene Stöckchen? Was hilft es dir wirklich? In dem Moment geschieht nur eines: Du bedienst das System deines „Angreifers“. Mehr nicht. Versuch stattdessen durchzuatmen und darauf zu fokussieren, was diese andere Person gerade über sich selbst preisgibt. Und ist es das wert, darauf einzugehen?

Wenn du diese Frage mit einem deutlichen „Ja! beantwortest, wenn diese Person dich belästigt und damit wohlmöglich sogar eine Straftat begeht, dann handle bitte konsequent. Erstatte Anzeige. Das kannst du mittlerweile sogar online machen. Dass das gut funktioniert und die Polizei sich darum kümmert, weiß ich genau – leider auch aus eigener Erfahrung.

Damals habe ich überlegt, ob ich diesen Schritt wirklich machen oder nicht einfach doch ignorieren soll. Aber dann habe ich mir gesagt: „Hey, wenn der das – nämlich sexuelle Belästigung – einmal macht, macht er es auch ein weiteres Mal.“ Tja, was soll ich sagen? Richtig vermutet. Die Kripo hat den Fall bearbeitet und die Staatsanwaltschaft teilte mir mit, dass gegen die Person ein Verfahren läuft wegen mehrerer ähnlicher Straftaten.

Übe dich im Kleinen immer wieder in Wertschätzung.

Das Gegenteil von Wertschätzung? Ignoranz und Respektlosigkeit

Schauen wir uns das Ganze auch aus dem anderen Blickwinkel an: Wer oder was gibt einer Person das Recht, ungefragt Kritik zu üben? Und dann auch noch destruktiv? Das steht niemandem zu. Kein Mensch sollte Ungefragtes beantworten. Wenn dir die Antwort zu einem Thema wichtig wäre, würdest du ja die entsprechende Frage stellen, oder? Aber Ansagen im Stil von „Du musst dies…, du musst das…“ sind grenzüberschreitend – und zwar immer. Wer eine Frage stellt, muss mit Antworten rechnen. Wer dagegen nicht fragt, erwartet keine Antwort.

Jeder erwachsene Mensch denkt sich durchaus etwas dabei, wenn er oder sie etwas auf eine bestimmte Weise tut:

  • den eigenen Lebensweg gestalten
  • ein Kind erziehen
  • etc.

Und jede Person hat ein Recht auf eigenen Erfahrungen. Wenn eine andere Person deine Entscheidungen mit einem „Du musst das anders machen.“ kommentiert, dann entsteht eine Wertung: Das eine ist gut, das andere ist schlecht. Und das ist nicht okay. Denn wer macht die Regeln? Wer darf einscheiden, was gut ist und was nicht?

Fun fact am Rande: Sobald ein Mensch „finger pointing“ betreibt, zeigt er zwar mit einem Finger auf den anderen – aber gleichzeitig zeigen drei Finger auf ihn selbst. Das sollte jeder für sich mal durchdenken, finde ich.

Wertschätzende Kommunikation bedeutet, dass du Fragen stellst. Mach das bitte, so oft es geht. Dann wirst du auch erfahren, ob dein Gegenüber deine Meinung zu etwas hören möchte oder nicht. Und das Schöne bei Fragen ist: Du zeigst damit echtes Interesse und das Leben des anderen. Wer ausschließlich Befehle blafft, interessiert sich nicht dafür, was dem Gegenüber wichtig ist, sondern will nur die eigene Weltsicht akzeptieren. Andere Ansichten sind dagegen für diese Menschen minderwertig.

Fazit: Mehr Wertschätzung zeigen

Was ich mit all dem sagen will und was mir sehr am Herzen liegt:

Bitte versuch imm wieder, sanft mit all den anderen umzugehen.

Das Leben eines jeden ist eh anstrengend genug. Wir müssen uns nicht auch noch gegenseitig das Leben schwer machen. Erinnere dich bitte immer wieder: Wir alle sind sehr verletzlich. Und wenn du zu den polternden Harten gehörst, die gerne alles besser wissen, dann gehörst du wahrscheinlich auch zu denen, die eigentlich besonders verletzlich sind und dies sicherheitshalber hinter einer ganz harten Schale verstecken.

Und weißt du was? Je wertschätzender wir uns anderen gegenüber zeigen, umso besser können wir selbst mit Stress umgehen. Das ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen (Der Link führt dich zu einer Studie in engl. Sprache.). Wäre diese Tatsache nicht ein grandioser Grund, tatsächlich endlich mehr Wertschätzung anderen gegenüber zu zeigen?

 

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