Du willst (d)eine Krise meistern? Gut. Aber was genau ist eine Krise? Ist eine Krise ein Problem? Oder etwas anderes? Für mich ist wichtig genau hinzusehen, wo du persönlich tatsächlich stehst und was dich belastet. Also lass uns „Krise“ definieren und abgrenzen von anderen Phänomenen:

Krise

Katastrophe

Problem

Tatsache

Du steckst in einer Krise, wenn das Bisherige, was sonst gut funktioniert hat, auf einmal nicht mehr klappt. 

Die Katastrophe kann Folge oder Vorläufer einer Krise sein. In diesem Fall sind wichtige Versorgungsstrukturen deiner Grundbedürfnisse zusammengebrochen.  

Im Falle eines Problems hast du eine Ist-Soll-Differenz erkannt: Etwas ist nicht so, wie es sein soll und es notwendig (eigene) Ressourcen einzusetzen, um das Problem zu lösen. Tatsächlich besitzt du diese Ressourcen, auch wenn du selbst sie (noch) nicht erkennen kannst. Und das Schöne ist: Es gibt für Probleme immer Lösungen. Wirklich immer. Übrigens entstehen Probleme auch aus Tatsachen, genauer: Es geht um den Umgang mit diesen Tatsachen. 

Tatsachen sind schlichweg Fakten. Diese sind nachweislich real: 

  • Tante Hilde ist tot.
  • Die Vase ist zerbrochen. 
  • Es ist Winter. 

Mit Blick auf Fakten ist es wichtig, sich nicht an ihnen abzuarbeiten. Genau das versuchen sehr viele Betroffene. Bitte laufe nicht in diese Falle. Fakten ändern sich nicht. Du kannst sie nur akzeptieren und das kannst du trainieren. Bitte übertünche nichts mit positivem Denken. Das wird dann sehr zynisch. Wenn Tante Hilde tot ist, dann wäre es unpassend über die daraus sich ergebenden Chancen nachzudenken. Wir halten fest: Akzeptieren ist DER Weg bei Fakten. 

Krise meistern – mit einer hilfreichen Haltung

 

Ja, es ist an erster Stelle eben nicht ein besonderes Werkzeug. Es ist nicht das 59ste Ratgeberbuch, mit dem du noch mehr Wissen anhäufst und dein schlechtes Gewissen steigt, weil du „es ja im Grunde weißt“.

Was macht diese Haltung aus?

  • Sei neutral gegenüber allen Veränderungsideen. Verfalle nicht in einen zwanghaften Eifer in Sinne eines „Nur SO kann es klappen.“
  • Bleib neugierig und offen. Verstehe, wie du deine Krise aufrecht erhälst.
  • Werde kreativ und in gewisser Weise auch respektlos gegenüber Ideologien. Wage dich an Ungewöhnliches heran.
  • Akzeptiere das Risiko. Sicherheit ist eine Illusion.
  • Pflege deinen Willen zur Gestaltung. Werde aktiv und erkenne deine Eigenverantwortung.
  • Verabschiede dich würdevoll von all den versuchen, die bisher nicht geholfen haben.
  • Würdige dich selbst, wenn du etwas versucht hast, was nicht zur Bewältigung beigetragen hat: Deine Absicht ist großartig. Nur leider hat dein Ansatz nicht gut zum aktuellen Problem oder zur Krise gepasst.

Wenn du nur das machst, was du schon immer gemacht hast, bekommst du das, was du schon immer bekommen hast. 

 

Krisen meistern bedeutet auch: sich selbst stabilisieren

… auch um Katastrophen vorzubeugen. 

Was gilt es zu stabilisieren? Schau auf deine Ressourcen, deine Fähigkeiten. Diese solltest du ausbauen und stabilisieren. Schau auf alles, was dir in irgendeiner Form Kraft spendet. Das ist sehr individuell! Es ist egal, was Anton, Gerda oder Pirko hilft. Was tut DIR gut?

Du darfst aber auch etwas destabilisieren! Nämlich alles, was mit nicht funktionierenden Lösungen in Verbindung steht. Da gibt keine Energie mehr rein. 

Also, brainstorme: Was stärkt dich! Welche Rollen, welche Aktivitäten, welche Beziehungen etc. 

Und bitte verabschiede dich von einem übermäßigen Kontroll- und Orientierungsbedürfnis. Ja, der Mensch trägt u.a. das Grundbedürfnis nach Kontrolle in sich. Das ist richtig. Doch bedenke: Die Dosis macht das Gift. Ein Übermaß an Kontrolle macht dich starr und eng. Du wirst es schlichtweg nicht schaffen, alles unter Kontrolle zu haben. Gib´s zu: Im Grunde ist dir das klar. 

Also achte bitte auf das Maß an Orientierung und Kontrolle. Es kann dir helfen, wenn in diesem Zusammenhang auf all das schaust, was genau so bleiben darf, wie es jetzt ist. Das gibt dir Struktur. 

Krise meistern? Vogel Strauß-Politik hilft wenig!

Krisen meistern: Exkurs „Angst und Kontrolle“

 

Diese Kombination ist weit verbreitet und DER Klassiker, um Krisen zu produzieren. Den Mechanismus will ich dir erklären:

Jeder Mensch trägt eine gewisse Menge an (psychischer) Energie in sich. Im Falle von Angst lenkst du deine Energie und Wahrnehmung auf einen bestimmten Ausschnitt deines Lebens mit einer bestimmten Hypothese im Hinterkopf. Zum Beipsiel: „Jetzt bloß keine Angst bekommen.“ Oder was ich immer wieder in den Therapie- und Coachingstunden erlebe: „In der Stunde bloß nicht weinen.“

Es tritt dann der „rosa Elefant“-Effekt ein. Alles was du mit Angst in Verbindung bringst, alles was dir nahe geht, ist prompt da. Du versucht hektisch die Angst, das Weinen zu unterdücken.

  • „Bloß nicht Angst kriegen! Bloß nicht Angst kriegen!“
  • „Jetzt nur nicht weinen. Jetzt nur nicht weinen.“

Die Nummer funktioniert aber nicht, denn du nicht an etwas nicht denken kannst. Die Angst erzeugt prompt das, was sie befürchtet. Und du steckst noch mehr Energie hinein in das „Bloß nicht Angst bekommen.“ bzw. „Bloß nicht weinen.“ Und hoffst, damit die Kontrolle zu behalten. Hundertfach habe ich es in den Stunden erlebt: Es funktioniert nicht, du verbrauchst wahnsinnig viel Energie und dein Wahrnehmungswinkel wird immer enger. Der Ausstieg aus diesem Kreislauf ist wichtig. 

 

Übermäßige Kontrolle ist toxisch. Denn du erzeugst genau das, was du fürchtest. 

Dein übermäßiges Kontrollbedürfnis – und du bist damit wirklich nicht allein! – wird wohlmöglich durch den Umstand gefüttert, dass heute immer mehr Gadets existieren, die vermeintliche Sicherheit vorgaukeln: Versicherungen rauf und runter, ABS, ESP, Fahrradhelme, Schutzkleidung, Anschnallgurte, Face ID, Smart Home-Anwendungen etc. Technologien verkaufen dir den Eindruck „Wenn du alles richtig anwendest und alle richtig machst, dann ist alles sicher.“ Das ist falsch. Du kannst dich nicht vollumfänglich absichern. Das Leben ist genauso unsicher wie vor 100 Jahren. Die Folgen von z. B. Unfällen fallen möglicherweise milder aus. Aber es gibt nichts, was dich 100%ig vor einem Unfall schützen kann. 

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Krisen meistern: Was stabilisiert mich außerdem?

 

Der Vollständigkeit halber greife ich zwei weitere Grundbedürfnisse auf, die stabilisierend wirken, wenn du ihnen Raum gibst:

  • Unlustvermeidung/ Lustgewinn
  • Sinn

Was bedeutet das konkret: Gerade in Krisenzeiten solltest du unbedingt auf deine Grundbedürfnisse achten. Welche Grundbedürfnisse sind im Fokus? Trinken, Essen, Schlafen, physiologische Körperfunktionen. Im Hinblick auf die Unlustvermeidung denke ich zum Beispiel an

  • das Behandeln etwaiger Schmerzen durch eine akute Schmerztherapie
  • schlafanstoßende Mittel bei Schlafstörungen (zeitlich befristet natürlich)
  • Krankschreibung bei Krankheitsgefühl

Nur so öffnet sich der Möglichkeitsraum für ein inneres Sortieren und du entkommst der Unlust.

Lustgewinn führt zu einem erhöhten Empfinden von Freude. Besonders wenn die Krise schon massiv um sich greift, ist die Unterstützung durch eine objektive Expertin bzw. einen psychologischen Profi sinnvoll. Mit dieser Person an der Hand ist der Schritt, um in ein hilfreiches Machen zu kommen, vielleicht erst möglich. Denn es sollten Schritte sein, die wirklich dir helfen und nicht die Bedürfnisse anderer bedienen. Diese Steps sollten klein sein und zur aktuellen Situation passen. Zum Beispiel:

  • einen Tagesplan erstellen
  • Mini-To Do´s entwickeln wie täglich zu einer bestimmten Uhrzeit spazieren gehen

Last but not least: Finde dein Warum und du meisterst deine Krise

Wer mit mir arbeitet, weiß, wie wichtig mir dieses Thema ist. Deine Werte solltest du nie, nie, nie unterschätzen. Sobald du gegen deine dir innewohnenden Werte lebst, wird sich das zeigen: Das kostet Kraft! Andersherum führt das Ausleben der Werte zu einem enormen Energie-Push. Also, finde dein Warum. Kläre, was dir Sinn gibt, dich motiviert.

Krise meistern bedeutet, sich neuen Möglichkeiten zuwenden.

Wenn du das Bisherige destabilisierst, meisterst du deine Krise

 

Verwirrend, oder? Lass es mich erklären: Es geht darum, dass du alles verstörst, was die Krise aufrechterhält. Das sind oftmals eben auch eigene Verhaltensweisen. Entwickele Hypothesen dazu, wie du deine Krise aufrechterhälst:

  • Beißt du dich an der Ursachensuche fest?
  • Hältst du an Schema F fest?
  • Glorifozierst du sogar das Bisherige?
  • Erteilst du dir Denkverbote?
  • Ist die Opferrolle deine liebste Rolle?

Das Festbeißen an der Ursachensuche führt dich auf´s Glatteis. Es ist ein Trugschluss, dass du die Lösung hast, wenn du die Ursache kennst. Vielleicht ist das Gegenteil sogar der Fall: Dieser Fokus macht dich erneut starr und eng. Ich untermale das mit einem Beispiel:

Stell dir vor, du hast dir einen fiesen Steißbeinbruch zugezogen, weil du auf der Straße auf einer Bananenschale ausgerutscht bist. Heilt das Wissen um die Ursache den Bruch? Nein. Es ist aber möglich, dass du zukünftig nun übervorsichtig, vielleicht sogar ängstlich zu Fuß unterwegs bist und nach jeder nur möglichen Bananenschale Ausschau hältst.

Den weiteren, genannten Punkten will ich mit einem Gedankenspiel begegnen: Stell dir bitte vor, du wachst morgen früh an einem unbekannten Ort auf! Mitten in einem Wald. Du hast keine Ahnung, wo du bist. Niemand ist in der Nähe, du hast außer der Kleidung, die du trägst, nichts bei dir. Was tust du?

Bitte lies erst weiter, wenn du die Frage für dich beantwortet hast.

Also, was tust du?

Bleibst du sitzen, wo du bist, oder machst du irgend etwas? Gehst du wohlmöglich sogar los? Ich hoffe sehr, du tendierst zu Letzterem. Denn nur das Machen führt zu neuen Informationen und damit zu mehr Sicherheit. Einfach dort bleiben bedeutet dagegen maximale Unsicherheit.

Richte dich auf Neues aus

Deine Krise meisterst du, wenn du Neues wagst. Irgend etwas! Und die Ideen für das Neue kommen meist in eher ungewohnten Situationen. Nutze das:

  • Schaffe bewusst mögliche Entscheidungsspielräume.
  • Fang an zu „spinnen“: Wenn alles möglich wäre, dann…
  • Lass Kreativität zu (ich weiß, ich wiederhole mich).
  • Welches Bild passt zu deiner aktuellen Lage und wie könntest du herausfinden, was besser wäre?
  • Was müsstest du entdecken, damit du sagen könntest, der Schritt hat sich gelohnt?

Du wirst deine Krise meistern, wenn du dich auf all das einlässt. Davon bin ich überzeugt.

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